Der Name ist neu, die DNA vertraut: Der VW Tayron hat als legitimer Nachfolger des Tiguan Allspace eine große Lücke im Modellprogramm von Volkswagen geschlossen. Wer jedoch glaubt, es handele sich hierbei nur um eine lieblos verlängerte Version des kompakten Bruders Tiguan, wird eines Besseren belehrt. Der Wolfsburger Allrounder tritt optisch eigenständiger auf, wirkt bulliger und positioniert sich selbstbewusst im wachsenden Segment der großen Familien-SUVs.

Ein wichtiger Unterschied zum mexikanischen Vorgänger zeigt sich bereits bei der Herkunft: Der Tayron wurde nicht nur in Deutschland entwickelt, sondern läuft auch direkt im Wolfsburger Stammwerk vom Band.

Deutlich gewachsen: Der Allspace-Nachfolger im Format-Check

Mit exakt 4.792 Millimetern Länge überragt der Tayron den normalen Tiguan um stolze 25 Zentimeter. Auch im Vergleich zum alten Tiguan Allspace hat der Neuling spürbar zugelegt: Er ist rund neun Zentimeter länger und bietet damit nochmals bessere Platzverhältnisse im Innenraum. Das markante Lichtdesign mit durchgehenden LED-Leisten an Front und Heck sowie dem beleuchteten VW-Logo verleiht dem SUV einen modernen, fast futuristischen Auftritt.

Die technische Basis liefert die neueste Evolutionsstufe des Modularen Querbaukastens (MQB evo). Damit zieht modernste Konzerntechnologie in das SUV ein, die zuvor teilweise dem Touareg vorbehalten war.

Platzwunder im Innenraum: Bis zu 2.090 Liter Kofferraum und optionale dritte Sitzreihe

Die Paradedisziplin des Tayron ist ganz klar seine enorme Variabilität. Ab Werk rollt das SUV als großzügiger Fünfsitzer vom Band, der mit einem Kofferraumvolumen von bis zu 885 Litern glänzt. Wer die Rücksitze umklappt, erhält eine nahezu ebene Ladefläche und ein maximales Gepäckraumvolumen von gigantischen 2.090 Litern – ein deutliches Plus gegenüber den 1.920 Litern des alten Tiguan Allspace.

Für Großfamilien oder Fahrgemeinschaften bietet VW für einen Aufpreis von 950 Euro eine optionale dritte Sitzreihe an. Damit verwandelt sich der Tayron in einen praktischen Siebensitzer. Zwar sind die Plätze sechs und sieben bauartbedingt eher für Kinder oder kurze Strecken geeignet, im Alltag bieten sie jedoch genau jene Flexibilität, die viele Kunden schätzen. Bei umgelegter dritter Reihe bietet das SUV immer noch reichlich Platz für den Wocheneinkauf.

Die Motoren: Vom sparsamen Diesel bis zum 126-km-Hybrid

Unter der Haube des Tayron bietet Volkswagen eine breite Palette moderner Vier-Zylinder-Motoren an, die alle serienmäßig an ein automatisiertes DSG-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt sind. Einen unruhigen Dreizylinder sucht man hier vergeblich.

Die Antriebsvarianten im Überblick:

  • Mild-Hybrid (eTSI): Den Einstieg macht der 1.5 eTSI mit 150 PS (110 kW) und 48V-Bordsystem. Er glänzt durch eine effiziente Zylinderabschaltung und ist die preislich attraktivste Option.
  • Diesel (TDI): Für Langstreckenfahrer stehen zwei 2.0-Liter-Diesel bereit. Die Variante mit 150 PS treibt die Vorderräder an, während die Top-Version mit 193 PS serienmäßig mit dem Allradantrieb 4Motion gekoppelt ist und bis zu 2,5 Tonnen Anhängelast ziehen darf.
  • Benziner (TSI): Sportliche Fahrer greifen zu den 2.0-Liter-Turbobenzinern mit 204 PS oder satten 265 PS – beide ebenfalls serienmäßig mit Allradantrieb.
  • Plug-in-Hybrid (eHybrid): Ein echtes Highlight sind die beiden eHybrid-Varianten mit einer Systemleistung von 204 PS oder 272 PS. Dank einer netto 19,7 kWh großen Batterie ermöglichen sie eine rein elektrische WLTP-Reichweite von bis zu 126 Kilometern. Geladen wird serienmäßig mit bis zu 11 kW Wechselstrom (AC) oder mit schnellen 50 kW Gleichstrom (DC) an entsprechenden Schnellladesäulen.

Zur offiziellen Vorstellung des Modells brachte Thomas Schäfer, CEO der Marke Volkswagen, die Neuausrichtung auf den Punkt:

"Der neue Tayron ist ein echter VW: Er zeigt Qualität in jedem Detail, ist komfortabel und praktisch im Alltag, und er kommt mit einer breiten Antriebspalette auf die Straße."

Wichtig für Familienplaner: Aufgrund der Batterie-Platzierung unter dem Kofferraumboden sind die eHybrid-Modelle ausschließlich als Fünfsitzer erhältlich. Wer zwingend die sieben Sitze benötigt, muss zu den klassischen Benzinern oder Dieseln greifen.

Direktvergleich: Tayron vs. Tiguan Allspace

Um zu sehen, wie stark der Fortschritt ausfällt, lohnt sich der direkte Blick auf die harten Fakten gegenüber dem Vorgänger:

  1. Abmessungen: Mit 4,79 Metern ist der Tayron rund 9 Zentimeter länger als der Tiguan Allspace (4,70 Meter). Das sorgt vor allem in der zweiten Sitzreihe für spürbar mehr Kniefreiheit.
  2. Kofferraum: Das maximale Ladevolumen wächst von 1.920 Liter (Allspace) auf bis zu 2.090 Liter im Tayron. Das sind stolze 170 Liter zusätzlicher Stauraum.
  3. Hybrid-Technologie: Der alte Allspace bot keinerlei Plug-in-Hybrid-Optionen. Der Tayron eHybrid schließt diese Lücke bravourös und schafft dank DC-Schnellladung mit bis zu 50 kW den Sprung ins moderne Elektrozeitalter.
  4. Infotainment und Assistenten: Im Cockpit weicht das alte Layout der modernen VW-Landschaft mit einem großen Touchscreen, dem neuen Sprachassistenten IDA samt ChatGPT-Integration und modernsten Sicherheitsfeatures.

Fazit: Lohnt sich der Einstieg beim XXL-VW?

Der neue VW Tayron ist weit mehr als nur ein kosmetischer Nachfolger des Tiguan Allspace. Er ist gewachsen, fährt sich dank des hochentwickelten Fahrwerks extrem komfortabel und bietet eine Materialanmutung, die an der Oberklasse kratzt.

Mit einem Einstiegspreis von 45.475 Euro ist der Tayron zwar kein Schnäppchen, rechtfertigt seinen Aufpreis gegenüber dem Standard-Tiguan jedoch durch das enorme Platzangebot, die Option auf sieben Sitze für faire 950 Euro Aufpreis und die moderne Plug-in-Technologie mit über 120 Kilometern E-Reichweite. Wer ein praktisches, hochmodernes Familien-SUV sucht, kommt am neuen Wolfsburger Flaggschiff kaum vorbei.