Fünf Jahre harte Nutzung und eine Kilometerleistung, die selbst viele Verbrenner-Gebrauchtwagen alt aussehen lässt: Der im Mai 2021 zugelassene VW ID.3 Pro S (Neupreis damals: 48.550 Euro) diente den Testern des ADAC Technik Zentrums als rollendes Labor. Das Ziel war von Anfang an klar definiert: Den Akku im Alltag an seine Belastungsgrenzen zu bringen.

Nachdem das Testfahrzeug im Juni 2025 bereits die offizielle VW-Garantiegrenze von 160.000 Kilometern überschritten hatte, lief der Härtetest einfach weiter. Inzwischen steht der Kilometerzähler bei über 220.000 Kilometern. Die alles entscheidende Preisfrage lautet: Wie viel Kapazität besitzt die 77-kWh-Batterie heute noch? Die detaillierte ADAC-Prüfung ergab einen sensationellen State of Health (SoH) von stolzen 89 Prozent.

Das ADAC-Härteszenario: Keine Gnade für den Akku

Das hervorragende Ergebnis ist umso erstaunlicher, da das Fahrzeug im Alltag keineswegs geschont wurde. Ganz im Gegenteil – der ID.3 musste Bedingungen ertragen, die unter Batterieexperten als echter Stressfaktor für Lithium-Ionen-Zellen gelten:

  • Der Akku wurde extrem häufig auf volle 100 Prozent geladen.
  • Das Auto stand im voll geladenen Zustand teilweise über längere Zeiträume unbewegt auf dem Parkplatz.
  • Der Anteil an schnellen DC-Ladungen war durch den hauseigenen Schnelllader des ADAC ungewöhnlich hoch.

Trotz dieser unbarmherzigen Behandlung verlor der Energiespeicher im Schnitt nur etwa ein Prozent Kapazität pro 22.000 gefahrene Kilometer. Damit übertrifft der ID.3 die gesetzlichen Garantieversprechen von Volkswagen (mindestens 70 Prozent Restkapazität nach 160.000 Kilometern oder acht Jahren) bei Weitem.

Schweizer Extrembeispiel bestätigt den Trend

Dass der ADAC-Test kein glücklicher Einzelfall ist, beweist ein weiteres Praxisbeispiel aus der Schweiz. Nicolas Follonier, Verkaufsdirektor eines Familienunternehmens für Garagentore, spulte mit seinem baugleichen ID.3 Pro S in ebenfalls nur fünf Jahren sagenhafte 331.000 Kilometer ab – das entspricht durchschnittlich rund 300 Kilometern pro Arbeitstag.

Sein Akku-Zertifikat zeigt bei dieser extremen Langstreckennutzung noch immer einen SoH-Wert von beeindruckenden 86 Prozent. Im Gegensatz zum ADAC lud Follonier seinen Stromer allerdings zu über 98 Prozent per materialschonendem Wechselstrom (AC) an der heimischen Wallbox oder im Betrieb.

Software-Updates als Jungbrunnen

Im Laufe des Dauertests zeigte sich zudem ein faszinierender Effekt der fortschreitenden Digitalisierung. Durch kontinuierliche „Over-the-Air“-Software-Updates wurde der ID.3 über die Jahre nicht schlechter, sondern in vielen Punkten sogar effizienter:

  • Der gemessene Verbrauch im ADAC-Ecotest sank von anfangs 20 kWh auf zeitweise 18,3 kWh pro 100 Kilometer.
  • Die maximale Ladeleistung an Schnellladesäulen stieg dank verbesserter Ladestrom-Kurven auf über 160 kW.

Ein Tester des ADAC fasste die Entwicklung des Stromers prägnant zusammen:

"Dank der Software-Optimierungen fährt der Wagen heute effizienter und lädt schneller als am Tag seiner Auslieferung."

Kleine Macken, solider Kern

Völlig fehlerfrei überstand der Wolfsburger die 220.000 Kilometer allerdings nicht. Wer sich für einen gebrauchten ID.3 der ersten Baujahre interessiert, sollte neben dem Akku auf typische Schwachstellen der Peripherie achten. Der ADAC verzeichnete während der Testphase unter anderem einen aktiven Antriebsfehler, den Austausch der GPS-Antenne, einen defekten Ladeklappenmechanismus sowie temporäre Startprobleme und einen beschädigten Parksensor.

Die positive Nachricht: Der eigentliche Elektro-Antrieb inklusive Elektromotor und Hochvolt-Batterie hielt ohne teure Defekte durch. Bei der großen Inspektion mit rund 217.000 Kilometern gab es am Fahrwerk und der tragenden Struktur keinerlei Beanstandungen. Auch teure Verschleißreparaturen wie ein Bremsenwechsel blieben dank der effizienten Rekuperation (Bremsenergierückgewinnung) bislang komplett aus.

Was das Ergebnis für Gebrauchtkäufer bedeutet

Für den Gebrauchtwagenmarkt ist dieses Testergebnis ein echtes Beben. Bislang galten Elektroautos mit sechsstelligen Kilometerständen als riskante Ladenhüter, da Käufer den wirtschaftlichen Totalschaden durch einen Batterie-Austausch fürchteten.

Die realen Praxisdaten zeigen nun: Selbst nach extremen Laufleistungen weit jenseits der 200.000 Kilometer ist die Batterie oft noch für viele weitere Jahre im Alltag gerüstet. Wer beim Kauf eines gebrauchten ID.3 oder ID.4 auf Nummer sicher gehen will, sollte dennoch auf einen professionellen Akku-Test (wie etwa das im ADAC-Test genutzte Aviloo-Verfahren) bestehen. Liegt der SoH-Wert im grünen Bereich, steht dem Kauf eines günstigen Langstrecken-Gebrauchten nichts im Weg.