Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Experiment stammte von den beiden Škoda-Mitarbeitern Marek Jež und Jakub Krs. Sie wollten herausfinden, wie weit der neue Familien-Riese mit einer einzigen Ladung der 91-kWh-Batterie tatsächlich rollen kann.

Vom Werk an die Nordsee: Die Rekordfahrt im Detail

Der Startschuss für die anspruchsvolle Tour fiel an einem Dienstag zur Mittagszeit direkt am tschechischen Škoda-Stammsitz in Mladá Boleslav. Von dort aus führte die Route quer durch Deutschland bis an die niederländische Nordseeküste. Erst am Nachmittag des darauffolgenden Tages erreichte das Team das Ziel im Küstenort Zandvoort.

Auf der gesamten Strecke von 936 Kilometern wurde der Akku kein einziges Mal zwischengeladen. Um jeden Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Versuchs auszuschließen, wurde die gesamte Fahrt von den Experten des TÜV Süd penibel überwacht und im Nachgang offiziell zertifiziert. Die Besatzung legte unterwegs lediglich reguläre Pausen für Fahrerwechsel, Verpflegung und Erholung ein – die Technik blieb unangetastet, und der Ladeanschluss wurde vor der Abfahrt versiegelt.

Serienmäßige Technik und der Trick mit dem „Hypermiling“

Besonders beeindruckend: Für die Rekordfahrt wurde kein speziell präpariertes Spezialfahrzeug genutzt, sondern ein serienmäßiger Škoda Peaq 90 mit Hinterradantrieb und einer Leistung von 210 kW (286 PS). Das SUV war mit den standardmäßigen 19-Zoll-Rädern und rollwiderstandsoptimierten Serienreifen bestückt. Neben dem hocheffizienten Antriebsstrang profitierte das Modell von seiner hervorragenden Aerodynamik mit einem Luftwiderstandsbeiwert (cx-Wert) von nur 0,249.

Am Ende der Reise wies der Bordcomputer einen sensationellen Durchschnittsverbrauch von lediglich 9,2 kWh auf 100 Kilometer aus. Zum Vergleich: Selbst sparsame Kleinwagen verbrauchen im Alltag meist deutlich über 12 bis 15 kWh.

Möglich wurde dieser Fabelwert durch sogenanntes „Hypermiling“:

  • Die Fahrer wählten eine topografisch günstige Route, die auch mithilfe von KI-Unterstützung optimiert wurde.
  • Es wurde eine extrem vorausschauende, defensive und auf maximales Rollen ausgelegte Fahrweise angewendet.
  • Beschleunigungsorgien und starkes Bremsen wurden konsequent vermieden, zudem spielte das milde Wetter dem Team in die Karten.

Auch wenn ein solcher Minimalverbrauch im alltäglichen Berufsverkehr oder bei schnellen Autobahnetappen kaum dauerhaft zu realisieren sein wird, zeigt der Versuch eindrucksvoll, was technisch im Extremfall machbar ist. Für den normalen Alltag bleibt die offizielle WLTP-Reichweite von bis zu 647 Kilometern der praxisnähere Richtwert.

Jakub Krs, einer der Fahrer und bei Škoda verantwortlich für die Hochspannungs-Batteriestrategie, ordnet den Versuch wie folgt ein:

"Das Ziel war es, zu zeigen, was die Technologie leisten kann, wenn sie bis an ihre Grenzen gebracht wird. Um die Reichweite zu maximieren, haben wir die am besten geeignete Route ausgewählt und natürlich unseren Fahrstil entsprechend angepasst."

Marek Jež, Leiter der Modellreihe Peaq und zweiter Fahrer des Rekord-Teams, ergänzt mit Blick auf den Alltag:

"Im Alltagsbetrieb werden die Kunden das Auto wahrscheinlich nicht auf diese Weise fahren. Stattdessen werden sie alles nutzen, was der Peaq in Sachen Fahrdynamik, Infotainment und Komfort zu bieten hat."

Ein echtes Flaggschiff für die Großfamilie

Der Peaq ist das neue, vollelektrische Flaggschiff der tschechischen Volkswagen-Tochter. Mit einer stattlichen Länge von 4,87 Metern überragt er selbst den beliebten Kodiaq und ist der größte E-Auto-Wurf der Marke. Er basiert auf der weiterentwickelten Konzern-Plattform MEB+, die im Vergleich zur älteren MEB-Architektur größere Batterien und noch effizientere Antriebe ermöglicht.

Neben seinem großzügigen Raumangebot für bis zu sieben Personen glänzt der tschechische Riese mit einem flexiblen Kofferraumvolumen von bis zu 935 Litern im Fünfsitzer-Modus. In Deutschland startet die Preisliste für den Škoda Peaq bei 49.900 Euro für das Einstiegsmodell Peaq 60 mit einer 63-kWh-Batterie (59 kWh nutzbar). Wer sich für die reichweitenstarke Version Peaq 90 mit der 91-kWh-Batterie (86 kWh netto) entscheidet, muss entsprechend tiefer in die Tasche greifen, erhält dafür aber – wie dieser Rekord eindrucksvoll untermauert – ein echtes Langstrecken-Monster.