Der europäische Markt für günstige Elektroautos gerät zunehmend in Bewegung. Nachdem Renault mit dem Twingo E-Tech bereits einen vielversprechenden Stadtflitzer unter der 20.000-Euro-Grenze positioniert hat, zieht Allianz-Partner Nissan nun nach. Frische Erlkönig-Aufnahmen aus Südeuropa belegen, dass die Japaner unter Hochdruck an einem eigenen Einstiegsstromer namens Nissan Wave arbeiten. Das Modell soll im Laufe des Jahres 2027 auf den Markt kommen und eine attraktive, preiswerte Alternative im A-Segment bieten.
Retro-Charakter mit Genen aus der Allianz
Der Nissan Wave nutzt die flexible AmpR-Small-Plattform, die auch als technische Basis für den größeren Nissan Micra und den Renault Twingo dient. Trotz der geteilten Architektur soll sich der Japaner optisch jedoch deutlich von seinen Schwestermodellen abheben. Für das Design zeichnet das hauseigene Team um Nissan-Europe-Designchef Giovanny Arroba verantwortlich. Als Inspiration dienen die legendären Nissan-„Pike“-Modelle der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre – Kultfahrzeuge wie der Figaro, der Pao oder der Be-1, die für ihren charmanten Retro-Look bekannt sind.
Arroba bestätigte diesen gestalterischen Ansatz bereits vorab:
„Das Design wird von den charmanten Retro-Kleinwagen von Nissan aus den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren inspiriert sein, die als Pike-Fahrzeuge bekannt sind.“
Die jüngst in Spanien gesichteten Prototypen bestätigen diese Richtung trotz starker Tarnfolie. Während die Grundproportionen des rund 3,79 Meter kurzen Fünftürers an den Twingo erinnern, zeigt der Wave ein gänzlich eigenständiges Gesicht. Anstelle runder Leuchten setzt Nissan auf markante, quadratische Scheinwerfer, die von C-förmigen Tagfahrlichtern umrahmt werden. Ein auffälliges Wabenmuster mit quadratischen Öffnungen im Lufteinlass sowie klassisch gezeichnete Rückleuchten am Heck verleihen dem kleinen Stromer einen unverwechselbaren, retro-futuristischen Charakter.
Solide Leistung für den urbanen Alltag
Unter der Haube orientiert sich der Nissan Wave eng an den Spezifikationen seines französischen Plattform-Zwillings. Für den Vortrieb sorgt voraussichtlich ein spritziger Elektromotor an der Vorderachse mit einer Leistung von 60 kW (82 PS). Damit sprintet der City-Flitzer in rund 12,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, während die Höchstgeschwindigkeit bei stadttauglichen 130 km/h elektronisch begrenzt wird.
Als Energiespeicher kommt eine langlebige und kostengünstige LFP-Batterie (Lithium-Eisenphosphat) mit einer nutzbaren Kapazität von 27,5 kWh zum Einsatz. Diese Kombination ermöglicht eine alltagstaugliche WLTP-Reichweite von bis zu 263 Kilometern – völlig ausreichend für das tägliche Pendeln und Besorgungen im urbanen Raum.
Clevere Ladelösungen gegen Aufpreis
Bei der Ladetechnik müssen Käufer in der Basisversion kompromissbereit sein. Um den angestrebten Einstiegspreis von unter 20.000 Euro realisieren zu können, verfügt das Basismodell ab Werk voraussichtlich nur über einen einphasigen AC-Bordlader mit 6,6 kW Leistung. Das Vollladen an einer heimischen Wallbox oder städtischen AC-Säule nimmt damit rund viereinhalb Stunden in Anspruch.
Wer jedoch mehr Flexibilität im Alltag benötigt, kann auf ein optionales Upgrade-Paket zurückgreifen (analog zum „Advanced Charge Pack“ des Twingo):
- Dieses Paket erweitert die AC-Ladeleistung auf zeitgemäße 11 kW (dreiphasig), wodurch sich die Ladezeit an einer Wallbox auf knapp zweieinhalb Stunden verkürzt.
- Gleichzeitig schaltet das Upgrade die DC-Schnellladefähigkeit via CCS mit bis zu 50 kW frei.
- An einer entsprechenden Gleichstrom-Ladesäule lässt sich der Akku damit in rund 28 Minuten von 15 auf 80 Prozent laden.
Produktion in Europa schützt vor Strafzöllen
Auch im Innenraum wird der Wave moderne Akzente setzen. Erste Erlkönig-Aufnahmen offenbaren ein geschwungenes Armaturenbrett, das ein digitales 7-Zoll-Instrumentendisplay hinter dem Lenkrad sowie einen freistehenden Infotainment-Touchscreen mit voraussichtlich 10 Zoll Bildschirmdiagonale beherbergt.
Ein entscheidender Vorteil für europäische Käufer ist der Produktionsstandort: Der Nissan Wave wird nicht in Asien, sondern gemeinsam mit dem Renault Twingo im slowenischen Renault-Werk in Novo Mesto vom Band laufen. Diese lokale Fertigung sichert kurze Transportwege und bewahrt Nissan vor den drohenden EU-Strafzöllen auf chinesische Importe. Mit dem geplanten Verkaufsstart im Jahr 2027 rundet Nissan sein elektrifiziertes Portfolio somit perfekt nach unten ab und fordert etablierte Budget-Stromer wie den Dacia Spring oder den Leapmotor T03 heraus.