Der Nissan Ariya gehört zweifellos zu den elegantesten Vertretern der elektrischen Crossover-Klasse. Seine fließenden Linien und das loungeartige Interieur sicherten dem Japaner von Anfang an eine treue Fangemeinde. Doch der Markt schläft nicht, und so schickt Nissan den schicken Crossover mit einem gezielten Facelift ins neue Modelljahr. Die gute Nachricht für alle Abenteurer und Tech-Fans: Der Ariya wird im Alltag deutlich praktischer. Doch wer den modernisierten Stromer in Deutschland bestellen möchte, muss tiefer in die Tasche greifen als bisher – denn Nissan hat das Angebot radikal zusammengestrichen.
Mobiles Kraftwerk: Was bringt die neue V2L-Schnittstelle?
Das größte Komfort-Plus für Freizeit und Camping verbirgt sich im Heck des überarbeiteten Nissan Ariya. Bislang war das Laden externer Geräte – das sogenannte Vehicle-to-Load (V2L) – dem Crossover verwehrt. Mit dem Facelift gehört ein entsprechender V2L-Adapter serienmäßig zur Ausstattung.
Mit einer Ausgangsleistung von satten 3,7 kW verwandelt sich der Ariya in eine gigantische Powerbank auf Rädern. Über den Adapter lassen sich herkömmliche Haushaltsgeräte mit 230 Volt betreiben:
- E-Bikes laden: Auf Radtouren lässt sich der Akku des Zweirads problemlos in den Pausen nachladen.
- Camping-Komfort: Vom Elektrogrill über den Föhn bis hin zur Kaffeemaschinen können alle Annehmlichkeiten direkt über die Antriebsbatterie des Autos betrieben werden.
- Mobiles Büro: Laptops, Kühlboxen oder Kameras sind im Handumdrehen wieder voll einsatzbereit.
Diese Funktion macht den Ariya zum perfekten Begleiter für Outdoor-Enthusiasten und füllt eine schmerzliche Lücke, die die Konkurrenz schon länger geschlossen hatte.
Google zieht ein: Das digitale Gehirn wird schlauer
Bisher war das NissanConnect-System funktional, aber nicht immer auf dem modernsten Stand. Auch hier legt Nissan kräftig nach. Mit der neuesten Generation des Infotainments halten die Google-Dienste nativen Einzug in den Ariya.
Unter dem Schlagwort „Google built-in“ ist der Sprachassistent „Hey Google“ nun tiefer im Fahrzeug verankert. Viel wichtiger ist jedoch die Integration von Google Maps direkt ins System. Die Routenführung plant künftige Ladestopps vollautomatisch auf Basis des aktuellen Batteriestands und des Verbrauchs. Passend dazu wird die Batterie vor dem Erreichen einer DC-Ladesäule automatisch vorkonditioniert, um vom Start weg die maximale Ladeleistung abzurufen.
Ein Schritt zurück beim Wechselstrom-Laden?
Wo viel Licht ist, gibt es beim Facelift allerdings auch etwas Schatten. Während Nissan an Gleichstrom-Schnellladern (DC) weiterhin solide, wenn auch nicht rekordverdächtige 130 kW Ladeleistung bietet, gibt es beim Wechselstrom-Laden (AC) an der heimischen Wallbox oder städtischen Ladesäulen einen Rückschritt.
Konnte der Ariya vor dem Update optional mit bis zu 22 kW dreiphasig geladen werden, schrumpft die maximale AC-Ladeleistung mit der Modellpflege serienmäßig auf 11 kW zusammen. Wer das Fahrzeug hauptsächlich über Nacht auflädt, wird den Unterschied kaum merken – für Laternenparker in der Stadt, die tagsüber schnell ein paar Kilowattstunden zapfen wollen, ist diese Änderung jedoch ein echter Wermutstropfen.
Mehr Komfort im Lounge-Cockpit und neue Optik
Optisch verfeinert Nissan das Designkonzept des „japanischen Futurismus“ behutsam. Die auffälligste Änderung betrifft die Fahrzeugfront: Die bisherige, markante schwarze Maske weicht einer glatten, komplett in Wagenfarbe lackierten Fläche. Zudem wurden die LED-Tagfahrlichter neu gezeichnet und rücken mit einer dreistreifigen Verlängerung weiter nach außen. Neue 20-Zoll-Räder gehören fortan zur Serienausstattung, und die neue Zweifarblackierung in „Plasma Green“ samt kontrastierendem schwarzen Dach bringt frischen Wind in die Farbpalette.
Im Innenraum wurde die verschiebbare Mittelkonsole überarbeitet und bietet nun mit 3,8 Litern deutlich mehr Stauraum. Die induktive Ladeschale für Smartphones arbeitet künftig mit 15 Watt Leistung und verfügt über eine aktive Kühlung – so wird das Handy beim Laden nicht mehr glühend heiß. Eine erweiterte Ambientebeleuchtung mit nun 64 Farben sorgt für Wohlfühlatmosphäre auf Langstrecken.
Auch unter dem Blech wurde gefeilt: Ein überarbeitetes Fahrwerk soll Vibrationen spürbar reduzieren und den Crossover noch sanfter über Unebenheiten gleiten lassen. Die ProPilot-Assistenzsysteme bremsen und beschleunigen nun sanfter und verhindern ab sofort ungewollte Überholvorgänge auf Strecken mit absolutem Überholverbot. Dank neuer Kameras bietet der Rundum-Monitor zudem eine „durchsichtige Motorhaube“, was das Rangieren an hohen Bordsteinkanten enorm erleichtert.
Kahlschlag im Konfigurator: Einstiegspreis steigt auf 58.840 Euro
Deutsche Kunden müssen sich mit dem Facelift auf eine drastisch vereinfachte, aber auch teurere Modellstruktur einstellen. Die kleinere 63-kWh-Batterie wird in Deutschland komplett gestrichen. Übrig bleiben lediglich zwei Versionen, die stets an den großen 87-kWh-Akku gekoppelt sind:
- Nissan Ariya 2WD (Frontantrieb): Mit 178 kW (242 PS) Leistung und einer kombinierten WLTP-Reichweite von bis zu 531 Kilometern. Diese Version bildet nun den neuen Einstieg und kostet ab 58.840 Euro.
- Nissan Ariya e-4ORCE (Allradantrieb): Mit zwei Elektromotoren, einer Systemleistung von 225 kW (306 PS) und einer WLTP-Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Der Preis für die Allrad-Variante startet bei 63.840 Euro.
Mit diesem Kahlschlag im Konfigurator verabschiedet sich Nissan von günstigeren Einstiegstarifen. Der Ariya positioniert sich damit endgültig als Premium-Angebot für anspruchsvolle Fahrer, die keine Kompromisse bei Reichweite und Ausstattung eingehen wollen. Wer die V2L-Power und die neue Google-Welt nutzen möchte, bekommt ein hochentwickeltes und komfortables SUV, muss dafür aber auch ein ordentliches Budget einplanen.