Der technologische Sprung auf dem deutschen Automarkt ist unübersehbar. Mit dem Abschied vom EQB-Label hat Mercedes seinen vielseitigen Allrounder nicht nur umbenannt, sondern tiefgreifend reformiert. Als neues Modell auf der zukunftsweisenden Mercedes Modular Architecture (MMA) profitiert der GLB von hocheffizienten Antrieben und einem modernen Thermomanagement, die das Fahrzeug zu einem echten Langstrecken-Profi machen. Dank der neuen Plattform rückt das immerhin 4,73 Meter lange SUV, das mit einem auf 2,89 Meter verlängerten Radstand glänzt, noch enger an die Bedürfnisse moderner Familien heran.
Vom lahmen Vorgänger zum 800-Volt-Schnelllade-Champion
Der wohl entscheidende Sprung betrifft die Elektro-Plattform. Der GLB nutzt nun die innovative Mercedes Modular Architecture (MMA). Damit zieht eine echte Premium-Technologie in diese Klasse ein: die hocheffiziente 800-Volt-Technik.
Während der Vorgänger an der Ladesäule noch bei maximal 100 kW abriegelte, zieht der neue GLB 250+ den Strom nun mit einer Spitzenleistung von bis zu 320 kW in seine 85 Kilowattstunden (netto) große Lithium-Ionen-Batterie (NMC). In realen Ladetests überraschte das Modell an ultraschnellen Säulen sogar mit Spitzenwerten von bis zu 350 kW – eine deutliche Übererfüllung der Werksangaben. Für Fahrer bedeutet das einen enormen Zeitgewinn:
- In nur 10 Minuten lässt sich an einer HPC-Säule Energie für weitere 260 Kilometer (nach WLTP) nachladen.
- Der klassische Ladehub von 10 auf 80 Prozent ist in rund 22 Minuten erledigt.
- Damit lädt das schwäbische Familien-SUV auf dem Niveau moderner Elektro-Flaggschiffe.
Power und Realverbrauch im Alltagstest
Unter der Haube des GLB 250+ arbeitet eine hocheffiziente permanentmagnetische Synchronmaschine an der Hinterachse. Mit einer Leistung von 200 kW (272 PS) und einem sofort anliegenden Drehmoment von 335 Nm sprintet das Fahrzeug in flotten 7,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Erst bei einer Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h wird elektronisch abgeregelt.
Doch wie sieht es abseits des Prüfstands aus? In realen Verbrauchstests schlägt sich das aerodynamisch bedingt eher im Wind stehende Fahrzeug wacker. Bei Autobahngeschwindigkeiten fordern die steile Stirnfläche und das kantige Heck zwar ihren Tribut. Während auf dem Papier eine WLTP-Reichweite von bis zu 631 Kilometern steht, relativiert sich dieser Wert im realen Fahrbetrieb etwas. In ersten Praxistests zeichnet sich bei Richtgeschwindigkeit eine realistische Reichweite von rund 400 Kilometern ab.
Wer weite Strecken plant, muss sich dennoch keine Sorgen machen: Dank des rasanten Ladetempos und der präzisen Vorkonditionierung der Batterie – die sich nun auch manuell im System anstoßen lässt – ist der GLB absolut langstreckentauglich.
Gigantisches Raumangebot und künstliche Intelligenz
Eine der größten Stärken des GLB bleibt auch in der neuen Generation erhalten: seine enorme Variabilität. Auf Wunsch lässt sich das SUV als Siebensitzer konfigurieren (für 1.309 Euro Aufpreis), wobei die dritte Sitzreihe nun für Personen bis zu einer Körpergröße von 1,71 Metern ausgelegt ist. Im Fünfsitzer steht ein großzügiges Ladevolumen bereit, das sich durch Umlegen der Rückbank auf bis zu 1.715 Liter erweitern lässt. Ein praktisches Highlight ist der neu gestaltete Frunk unter der Fronthaube, der mit satten 127 Litern reichlich Platz für Ladekabel und weiteres Gepäck bietet. Zudem ist das Modell fit für die Freizeit: Dank einer stolzen Anhängelast von bis zu zwei Tonnen bei den Allrad-Modellen und einer hohen Stützlast von 100 Kilogramm eignet sich der GLB perfekt als Zugfahrzeug oder für den Transport schwerer E-Bikes.
Im Cockpit dominiert auf Wunsch der riesige MBUX Superscreen mit bis zu drei Displays. Dahinter arbeitet das neue, KI-gestützte Betriebssystem MB.OS. Dank der tiefen Integration von künstlicher Intelligenz (unterstützt durch modernste KI-Technologien von Partnern wie Google und Microsoft) versteht der Sprachassistent nun selbst komplexe, natürliche Sätze. Auch die Ladeplanung („Electric Intelligence“) funktioniert dank Echtzeitdaten zur Auslastung der Ladesäulen absolut präzise.
Fazit: Premium-Qualität hat ihren Preis
Der Techniksprung im neuen Mercedes GLB 250+ ist spektakulär, doch er schlägt sich auch im Preis nieder. Der offizielle Einstiegspreis für das reichweitenstarke Modell in der Ausstattungslinie Progressive startet bei 59.048 Euro.
Wer zusätzliche Ausstattungslinien wie die sportliche AMG Line oder die luxuriöse AMG Line Plus wählt und die Aufpreisliste bemüht, treibt die Anschaffungskosten rasant nach oben. Ein voll ausgestatteter Testwagen des GLB 250+ bringt schnell stolze 67.985 Euro auf die Rechnung. Damit knackt der Schwabe spielend die 70.000-Euro-Marke, wenn noch weitere Extras hinzukommen.
Angesichts der gebotenen Leistung – insbesondere der rasanten Ladezeiten und der alltagstauglichen Reichweite – liefert Mercedes mit dem GLB jedoch ein überzeugendes Gesamtpaket ab. Der einstige Pragmatiker hat sich zu einem echten High-Tech-Langstrecken-König gewandelt, der etablierten Konkurrenten spürbar das Leben schwer machen dürfte.