In der Bilanz der Pkw-Sparte hinterlässt dieser Dämpfer tiefe Spuren. Das bereinigte EBIT des Segments – also das operative Ergebnis vor Sondereffekten – sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 26 Prozent auf 909 Millionen Euro. Das berichtete EBIT der Autosparte stürzte durch Sondereffekte sogar um 94 Prozent auf magere 49 Millionen Euro ab. Hintergrund ist vor allem eine schmerzhafte Sonderabschreibung in Höhe von 844 Millionen Euro auf die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen und Beteiligungen, mit der Mercedes den trüben Aussichten vor Ort Rechnung trägt. Die viel beachtete bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte schrumpfte auf 4,0 Prozent (nach 5,1 Prozent im Vorjahr), traf damit jedoch immerhin das obere Ende der Erwartungen beziehungsweise lag solide innerhalb der prognostizierten Jahres-Marge von drei bis fünf Prozent.
Trotz der tiefen Einschnitte in Fernost hält der Vorstand an der strategischen Neuausrichtung fest und betont die Relevanz des asiatischen Raums. In einer Stellungnahme hieß es dazu aus Stuttgart:
"Der chinesische Markt und die Kundinnen und Kunden in China haben für Mercedes-Benz unverändert eine hohe strategische Bedeutung."
Hoffnung für die zweite Jahreshälfte versprechen nun eine Reihe von Produktanläufen im Kompaktsegment sowie eine frisch überarbeitete Version des Flaggschiffs S-Klasse, die die Verkaufszahlen wieder ankurbeln sollen.
Vans, Sparkurs und Daimler-Truck-Anteile stützen das Ergebnis
Dass Mercedes-Benz auf Konzernebene dennoch einen deutlichen Gewinnsprung vermelden kann, verdankt das Unternehmen vor allem seinen Nebensparten und einer strikten Kostendisziplin. Die Transporter-Sparte (Vans) erwies sich einmal mehr als verlässliche Stütze: Der Umsatz von Mercedes-Benz Vans stieg um fünf Prozent auf 4,46 Milliarden Euro, während die bereinigte Umsatzrendite mit hervorragenden 10,2 Prozent am oberen Ende der Prognosespanne glänzte.
Zusätzlich machten sich die harten Sparmaßnahmen bezahlt. Durch gesteigerte Effizienz und Produktivitätsverbesserungen konnte der Konzern die Profitabilität im operativen Geschäft stützen. Das berichtete Konzern-EBIT legte trotz der millionenschweren China-Belastung um 21,5 Prozent auf rund 1,55 Milliarden Euro zu. Bereinigt um Sondereffekte lag das Konzern-EBIT vor Zinsen und Steuern sogar bei rund 2,3 Milliarden Euro – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Konzerngewinn (Nettogewinn) stieg folglich um 13,5 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro.
Ein strategischer Schachzug spülte zudem wertvolle Liquidität in die Kassen: Erstmals seit dem Spin-off verkaufte Mercedes-Benz Anteile an seiner ehemaligen Nutzfahrzeug-Tochter Daimler Truck. Im zweiten Quartal flossen dem Autobauer daraus rund 417 Millionen Euro zu, was den freien Cashflow im Industriegeschäft stützte. Im Juli folgten weitere Anteilsverkäufe im Wert von rund 600 Millionen Euro, sodass sich der Gesamterlös aus diesen Transaktionen auf rund eine Milliarde Euro summierte. Mercedes hält nach diesen Verkäufen noch einen stabilen Anteil von 34,8 Prozent an Daimler Truck.
Dass der freie Cashflow im Industriegeschäft mit 1,1 Milliarden Euro dennoch deutlich unter dem Vorjahreswert (1,87 Milliarden Euro) lag, ist unter anderem auf Restrukturierungskosten zurückzuführen. Im gesamten ersten Halbjahr flossen rund 1,1 Milliarden Euro für Abfindungen ab, die im Zusammenhang mit dem weitreichenden Sparprogramm "Next Level Performance" stehen. Im Zuge dieses Personalabbaus haben bereits rund 5.500 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.
Einen echten Lichtblick lieferten unterdessen die reinen Elektroautos (BEV). Entgegen dem allgemeinen Trend einer E-Auto-Flaute konnte Mercedes-Benz den weltweiten Absatz reiner Stromer im zweiten Quartal um stolze 51 Prozent auf 52.852 Fahrzeuge steigern. Angetrieben wurde dieser Boom vor allem durch den europäischen Markt, auf dem die BEV-Auslieferungen um phänomenale 87 Prozent zulegten.
Vorsichtiger Ausblick für das Gesamtjahr, aber die Börse feiert
Trotz der robusten Gewinne im abgelaufenen Quartal zwingt die anhaltende Absatzflaute in China das Management zu mehr Vorsicht für das Gesamtjahr 2026. Der Vorstand korrigierte seine Jahresprognose leicht nach unten: Statt eines stabilen Absatzes und Umsatzes auf Vorjahresniveau rechnet Mercedes-Benz nun sowohl beim Pkw-Absatz als auch beim Konzernumsatz mit Werten leicht unter dem Niveau des Vorjahres. Der Gesamtumsatz des Konzerns sank im zweiten Quartal bereits um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro.
Die Anleger an der Börse ließen sich die Laune durch den gedämpften Ausblick jedoch nicht nehmen. Die Mercedes-Benz-Aktie reagierte am Dienstag mit einem kräftigen Kurssprung von zeitweise bis zu 5,7 Prozent und setzte sich an die Spitze des DAX. Neben der Tatsache, dass die Pkw-Marge trotz des heftigen China-Dämpfers besser ausfiel als befürchtet, trieb vor allem ein zukunftsweisendes Signal den Kurs: Bis zur nächsten Hauptversammlung will der Autobauer eine weitere Milliarde Euro für Aktienrückkäufe aufwenden. Damit zeigt sich im zweiten Quartal 2026 eine klare Spaltung: Während das Kerngeschäft mit Automobilen im wichtigsten Markt schrumpft, bleibt der Konzern dank starker Nebensparten und gezielter Finanzarchitektur für Investoren hochgradig profitabel.