Der Wertverlust von Elektroautos ist in der Automobilbranche ein vieldiskutiertes Dauerthema. Eine aktuelle Analyse der Gebrauchtwagen-Plattform Carvago untermauert das Phänomen mit klaren Zahlen und zeigt, dass vor allem die Luxusklasse unter extremem Preisdruck steht. Doch die nackten Statistiken werden erst so richtig greifbar, wenn man sich reale Angebote auf dem Markt anschaut. Ein aktuelles Beispiel aus Sachsen demonstriert eindrucksvoll, wie viel Luxus-Elektromobilität man derzeit für vergleichsweise kleines Geld bekommen kann.
Fast 43.000 Euro Wertverlust nach nur 4.000 Kilometern
Beim Mercedes-Benz-Partner Schloz Wöllenstein im sächsischen Freiberg steht derzeit eine EQE 350+ Limousine zum Verkauf, die ein extremes Sparpotenzial bietet. Der heckangetriebene Premium-Stromer leistet 215 kW (292 PS) und hat laut Bordcomputer eine Laufleistung von gerade einmal 4.000 Kilometern auf dem Buckel. Das Fahrzeug befindet sich optisch und technisch in einem praktisch neuwertigen Zustand.
Die nackten Zahlen verdeutlichen den drastischen Preissturz:
- Zum Zeitpunkt der Erstbestellung kostete dieser konkret konfigurierte EQE inklusive seiner hochwertigen Sonderausstattung stolze 86.816 Euro.
- Heute bietet das sächsische Autohaus das Fahrzeug für hochattraktive 43.870 Euro an.
- Damit sind nach nur minimaler Nutzung sage und schreibe 42.946 Euro vom ursprünglichen Listenpreis verdampft – ein Preisnachlass von fast 50 Prozent.
Zum Vergleich: Bei der offiziellen Bestellfreigabe im März 2022 rief Mercedes-Benz für die nackte Basisversion der Limousine ohne jegliche Extras einen Grundpreis von exakt 70.626,50 Euro auf. Der sächsische Gebrauchte bietet somit nicht nur einen extrem reduzierten Einstieg, sondern bringt auch eine Fülle an teuren Extras quasi zum Nulltarif mit.
Das Geheimnis der frühen Erstzulassung
Ein spannendes Detail offenbart der Blick auf das Datum der Erstzulassung, das mit Februar 2022 angegeben ist. Da die offiziellen Bestellbücher für den EQE 350+ in Deutschland erst Mitte März 2022 geöffnet wurden und erste reguläre Kundenauslieferungen frühestens ab April oder Mai desselben Jahres erfolgten, handelt es sich bei diesem Exemplar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine Händler-Erstzulassung oder ein Werksfahrzeug direkt von Mercedes-Benz.
Solche frühen Fahrzeuge wurden meist für Schulungszwecke, interne Präsentationen oder als Ausstellungsstücke genutzt. Dies erklärt auch perfekt das ungewöhnliche Verhältnis aus dem Fahrzeugalter von rund vier Jahren und der minimalen Laufleistung von nur 4.000 Kilometern. Für den künftigen Besitzer ist das ein echter Glücksfall: Er erwirbt ein nahezu unbewegtes Werks- oder Ausstellungsfahrzeug zum halben Preis.
Carvago-Studie: Der EQE als König des Wertverlusts
Dass dieses Beispiel kein isolierter Einzelfall ist, belegt eine umfassende Marktanalyse der Online-Handelsplattform Carvago. Die Experten untersuchten dafür Inseratsdaten auf dem deutschen Markt und verglichen den Preisverfall von zehn populären Elektroautos mit dem ihrer Verbrenner-Geschwister nach einer dreijährigen Haltedauer.
Der Mercedes-Benz EQE schnitt dabei als trauriger Spitzenreiter ab:
- Im Durchschnitt büßt die elektrische Limousine nach drei Jahren satte 69,7 Prozent ihres ursprünglichen Neuwerts ein.
- Das Verbrenner-Pendant, die klassische E-Klasse, steht mit einem durchschnittlichen Wertverlust von 49,3 Prozent deutlich stabiler da.
- Damit ergibt sich eine eklatante Differenz von über 20 Prozentpunkten zulasten des Elektroantriebs.
Artur Schwendner, Country Manager für Deutschland und Österreich bei Carvago, erklärt die tieferen Ursachen für diesen Trend:
"Die dynamische technische Entwicklung bei Elektrofahrzeugen führt dazu, dass ältere E-Autos für Kunden schneller an technischer Attraktivität verlieren. Damit einher geht auch eine gewisse Zurückhaltung bei einem Teil der Gebrauchtwageninteressenten gegenüber Batteriefahrzeugen, was deren Restwert naturgemäß nach unten drückt."
Gleichzeitig betont der Experte jedoch, dass sich genau hierdurch für preisbewusste Käufer ein extrem attraktives Kauffenster öffnet.
Doppelte Absicherung nimmt die Angst vor Batterierisiken
Wer vor dem Kauf eines gebrauchten Oberklasse-Elektroautos zurückschreckt, weil er Angst vor unvorhersehbaren Defekten oder einem vorzeitigen Leistungsverlust des teuren Akkus hat, wird von Mercedes-Benz beim EQE besonders gut aufgefangen. Für Gebrauchtwagenkäufer greift hier ein doppeltes Sicherheitsnetz.
Zum einen erhalten Käufer eines elektrischen Gebrauchtwagens über das zertifizierte „Junge Sterne“-Programm von Mercedes-Benz eine umfassende Fahrzeuggarantie von vollen fünf Jahren (60 Monaten). Zum anderen sorgt das werkseigene Batteriezertifikat für absolute Sorgenfreiheit: Mercedes-Benz gewährt für die großen EVA2-Plattform-Modelle EQE und EQS eine weitreichende Garantie auf den Hochvoltspeicher von zehn Jahren oder einer Laufleistung von bis zu 250.000 Kilometern ab Erstzulassung. Garantiert wird dabei, dass die maximale Batteriekapazität nicht unter 70 Prozent sinkt.
Viel Luxus und Reichweite für unter 44.000 Euro
Wer bei dem angebotenen sächsischen Modell zuschlägt, muss zwar auf den spektakulären, aber extrem teuren MBUX-Hyperscreen verzichten – das Fahrzeug verfügt über das klassische, dennoch hochmoderne Cockpit-Layout –, erhält dafür aber ein exzellentes Reisefahrzeug. Zur üppigen Ausstattung gehören unter anderem LED-Scheinwerfer, eine praktische Anhängerkupplung, der Abstandstempomat Distronic, Keyless-Go, komfortable Memory-Sitze sowie ein 360-Grad-Kamerasystem für müheloses Rangieren.
Mit einer WLTP-Reichweite von über 600 Kilometern und einer maximalen DC-Ladeleistung von 170 kW ist der EQE 350+ zudem voll langstreckentauglich. Wer den massiven Wertverlust des Erstbesitzers für sich nutzen möchte und ein extrem komfortables, sicheres und fast ungenutztes Elektrofahrzeug sucht, findet derzeit wohl kaum mehr Gegenwert für sein Geld.