Der Kampf gegen das Gewicht ist für Sportwagenbauer die schwierigste Aufgabe unserer Zeit. Während fast alle modernen Elektroautos als schwere SUV-Kolosse auf den Markt kommen, würde ein hohes Batteriegewicht den agilen Charakter des MX-5 zerstören. Genau hier setzen die japanischen Ingenieure an. Sie wollen beweisen, dass echter Fahrspaß auch ohne massives Übergewicht rein elektrisch funktionieren kann.
Der Kampf gegen das Übergewicht: Das 1.200-Kilo-Versprechen
Selbst sportlich positionierte Elektrofahrzeuge bringen heute schnell fast zwei Tonnen auf die Waage. Für den MX-5 wäre ein solches Übergewicht das sichere Ende der spielerischen Leichtigkeit, die Fans seit der ersten Generation lieben. Mazda-Chef Masahiro Moro formulierte die technologische Zielvorgabe in einem Interview mit einem führenden Automobil-Fachmagazin überraschend konkret:
"Der Nachfolger muss auch bereit sein für ein Szenario ohne Verbrennungsmotor. Die Herausforderung besteht für uns darin, die Grundkonstruktion leichter zu machen, ohne exotische Materialien wie CFK einzusetzen. Die Zielvorgabe für die Entwickler liegt zwischen knapp unter 1000 und 1200 Kilogramm. Und ich glaube, wir können das schaffen."
Der Verzicht auf kohlenstofffaserverstärkten Kunststoff (CFK) ist dabei eine bewusste Entscheidung. Teure Hightech-Werkstoffe würden den Preis des Roadsters in astronomische Höhen treiben. Der MX-5 soll jedoch auch in Zukunft das bleiben, was er immer war: bezahlbarer Fahrspaß für jedermann. Sollte der Spagat gelingen, wäre der elektrische Nachfolger kaum schwerer als das aktuelle Modell mit Verbrennungsmotor, das in der Basisversion bei knapp über 1.000 Kilogramm startet.
Warum der Druck auf den Kult-Roadster wächst
Dass sich Mazda so intensiv mit einer elektrischen Zukunft des Zweisitzers beschäftigt, ist keine bloße Spielerei, sondern eine nackte Notwendigkeit. Auf dem europäischen Markt ist der Druck durch strenge CO2-Vorgaben bereits extrem spürbar. Dies führte unter anderem dazu, dass der beliebte 2,0-Liter-Benziner komplett aus dem europäischen Programm gestrichen werden musste.
Für das aktuelle Modelljahr 2027, dessen Produktion im Oktober startet, bleibt Kunden in Europa damit nur noch der überarbeitete 1,5-Liter-Saugmotor mit 136 PS (100 kW) und 155 Nm Drehmoment. Der Einstiegspreis für den Roadster in der Basis-Ausstattung Prime-Line liegt bei 34.190 Euro, während die Hardtop-Variante RF ab 36.990 Euro startet. Wer es sportlicher mag, greift zur Homura-Ausstattung mit Bilstein-Stoßdämpfern und Rays-Leichtmetallfelgen für 40.790 Euro oder zum neuen, eleganten Sondermodell Yakudo mit hellgrauem Stoffverdeck und Alcantara-Interieur für 41.590 Euro.
Doch selbst dieser hocheffiziente Saugmotor stößt an regulatorische Grenzen. Neben den Emissionen bereiten dem Hersteller vor allem neue Sicherheitsauflagen Kopfschmerzen. Laut Moro liegt eine der größten Hürden für ein künftiges Modell in den strengen Vorgaben zum Fußgängerschutz, die sich mit der extrem flachen Frontpartie eines klassischen Roadsters immer schwerer vereinbaren lassen.
Ein neues „Hero-Car“ als exklusiver Imageträger
Der MX-5 soll in Zukunft jedoch nicht das einzige emotionale Highlight im Portfolio bleiben. Moro kündigte im gleichen Atemzug an, dass er sich ein neues, emotionales Flaggschiff am oberen Ende der Produktpalette wünscht, um die Markenwerte von Mazda optimal zu verkörpern.
- Während der MX-5 die Basis für bezahlbare Sportlichkeit sichert, soll das neue Topmodell als reiner Imageträger dienen.
- Um die Exklusivität zu wahren, ist keine Massenproduktion geplant.
- Das Fahrzeug könnte stattdessen in einer exklusiven Manufakturfertigung entstehen und an legendäre Sportwagen-Ikonen der Marke anknüpfen.
Ob es sich bei diesem „Hero-Car“ um eine Serienversion der spektakulären Designstudie „Iconic SP“ handelt, die Mazda bereits als Coupé mit einem Wankel-Range-Extender-Konzept präsentiert hat, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Mazda weigert sich beharrlich, die automobile Emotion in der Ära der Elektromobilität aufzugeben.