Wer heute auf der Suche nach einem günstigen Neuwagen ist, muss starke Nerven haben. Das traditionelle Segment der Kleinwagen, das einst für pragmatische und preiswerte Mobilität stand, ist kaum noch wiederzuerkennen. Wie eine aktuelle Marktanalyse des ADAC zeigt, haben sich die Preise für kleine Fahrzeuge in den vergangenen Jahren dramatisch nach oben entwickelt. Vor allem Käufer, die auf einen klassischen Benziner setzen, müssen heute tief in die Tasche greifen, während das Angebot an bezahlbaren Einstiegsmodellen immer weiter schrumpft.
Verbrenner-Kleinwagen: Preise steigen um fast 80 Prozent
Besonders drastisch ist die Entwicklung bei den Modellen mit reinem Benzinmotor. Laut den frisch veröffentlichten Zahlen des ADAC kostet ein neuer Kleinwagen mit Verbrennungsmotor im Durchschnitt mittlerweile fast 24.000 Euro. Das entspricht einem Preisanstieg von knapp 80 Prozent im Vergleich zu den Preisen vor zehn Jahren.
Gleichzeitig schrumpft die Auswahl für die Kunden massiv:
- Aussterbende Vielfalt: Mit nur noch 46 verbliebenen Verbrenner-Modellen auf dem Markt verzeichnet der ADAC in diesem Segment einen historischen Tiefstand.
- Kein Diesel mehr: Wer einen sparsamen Selbstzünder in dieser Klasse sucht, sucht vergeblich. Diesel- oder andere alternative Verbrenner-Varianten werden von den Herstellern bei Kleinwagen gar nicht mehr angeboten.
- Zwangsausstattung treibt Preise: Ein Hauptgrund für die Teuerung sind strengere gesetzliche Vorgaben und die Integration zahlreicher Assistenzsysteme ab Werk.
Der ADAC fordert hier ein Umdenken der Automobilhersteller. In seiner offiziellen Pressemitteilung bringt der Club das Problem auf den Punkt:
"Viele Verbraucher benötigen kein Überangebot an Komfort- oder Unterhaltungsfunktionen, die inzwischen in vielen Kleinwagen serienmäßig sind. Hier sieht der ADAC ein ungenutztes Sparpotenzial."
Das Beispiel Opel Corsa: Preissteigerung um rund 91 Prozent
Wie extrem sich die Preisspirale gedreht hat, veranschaulicht der ADAC am Beispiel des Opel Corsa. Der Rüsselsheimer Klassiker war über Jahrzehnte hinweg das Erstauto für Fahranfänger oder der perfekte Zweitwagen für Familien. Doch die Zeiten des billigen Einstiegs sind endgültig vorbei.
Laut der ADAC-Auswertung stand der Corsa im Jahr 2013 in der Basisversion noch für 11.980 Euro in den Verkaufsräumen (zeitgenössische Preislisten nannten für die absolute Basisversion teils 11.890 Euro). Heute müssen Käufer für das günstigste Einstiegsmodell laut offiziellen Listen mindestens 22.890 Euro auf den Tisch legen.
Das entspricht im Vergleich zum damaligen Basispreis einer Preissteigerung von rund 91 Prozent. Der Rüsselsheimer Bestseller hat sich damit innerhalb von 13 Jahren fast verdoppelt – eine Teuerungswelle, die mit der normalen Lohnentwicklung der Käufer kaum Schritt halten kann. Und der Corsa ist kein Einzelfall: Auch der ewige Konkurrent aus Wolfsburg, der VW Polo, hat die magische Grenze längst gerissen und startet bei mindestens 20.380 Euro.
Keine deutschen Modelle mehr unter 20.000 Euro
Für preisbewusste Käufer ist die Lage auf dem deutschen Markt ernüchternd. Wer mit einem Budget von maximal 20.000 Euro einen Neuwagen sucht, blickt auf eine fast komplett leere Auslage. Laut einer aktuellen ADAC-Auswertung gibt es derzeit über alle Fahrzeugklassen hinweg gerade einmal noch 16 Modelle unter dieser Preisschwelle – vor fünf Jahren waren es mit 35 Modellen noch mehr als doppelt so viele.
Das Bittere für Kunden aus Deutschland: Unter diesen 16 verbliebenen Autos unter 20.000 Euro befindet sich kein einziges Modell eines deutschen oder japanischen Herstellers mehr. Wer sparen will, muss zu ausländischen Marken greifen. Der Dacia Sandero (in der Version TCe 100 Essential) markiert mit 13.590 Euro das absolute Preis-Leistungs-Limit nach unten, gefolgt vom Citroën C3 (Turbo 100 You) für 16.290 Euro und dem Fiat Pandina für 16.490 Euro. Allerdings handelt es sich dabei um absolute Einstiegsmodelle, bei denen Käufer oft auf gewohnte Komfort-Features verzichten müssen.
Zarter Lichtblick bei den Elektro-Kleinwagen
Während Verbrenner immer teurer werden, gibt es im Elektrosegment zumindest eine zarte Gegenbewegung. Ein elektrischer Kleinwagen kostet im Durchschnitt in diesem Jahr erstmals wieder weniger als 30.000 Euro (im Schnitt sind es laut ADAC 29.716 Euro). Das entspricht einem spürbaren Preisrückgang von über neun Prozent im Vergleich zum Jahr 2024. Zudem wächst hier das Angebot erfreulich schnell: Fast 40 rein elektrische Modelle listet der ADAC-Autokatalog inzwischen auf.
Sogar im Segment unter 20.000 Euro tut sich etwas: Drei Modelle sind hier mittlerweile vollelektrisch zu haben. Dazu gehören der Dacia Spring ab 16.900 Euro, der chinesische Leapmotor T03 ab 18.900 Euro und der Renault Twingo E-Tech Electric ab 19.990 Euro. Vor fünf Jahren gab es in dieser Preisklasse noch überhaupt kein einziges E-Auto.
Dennoch sieht der Automobilclub auch hier Grund zur Kritik und warnt vor falschen Erwartungen. Laut der ADAC-Pressemitteilung mussten Verbraucher vor zehn Jahren im Schnitt noch knapp 5.000 Euro weniger für ein fabrikneues Elektroauto auf den Tisch legen – und das bei einem damals noch sehr überschaubaren Angebot von nicht einmal zehn Modellen. Um die Mobilitätswende für die breite Bevölkerung bezahlbar zu machen, fordert der ADAC daher weiterhin eine konsequente Senkung der Einstiegspreise bei den Stromern.