Die europäische Geländewagen-Elite bekommt ernsthafte Konkurrenz aus Fernost. Die Chery-Tochter iCAUR startet ihre Europa-Offensive und schickt als Speerspitze den rund von Stoßstange zu Stoßstange knapp fünf Meter langen Offroader V27 ins Rennen. Als Brückenkopf dient Österreich, wo die Marke in Kürze über den renommierten Importeur Colmobil an den Start geht – Deutschland und weitere europäische Länder sollen bald folgen. Mit seinem markanten Boxy-Design und einem kraftvollen Range-Extender-Antrieb zielt das SUV direkt auf Ikonen wie den Land Rover Defender, bietet aber auf dem Papier deutlich mehr Leistung fürs Geld.
Die Antriebs-Formel: Immer elektrisch, ganz ohne Reichweitenangst
Der iCAUR V27 setzt auf ein Antriebskonzept, das sich in China bereits zu einem echten Megatrend entwickelt hat: den seriellen Hybrid (REEV). Das bedeutet im Klartext: Der Vortrieb erfolgt zu 100 Prozent elektrisch über ein oder zwei Elektromotoren. Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen dem Verbrennungsmotor und den Rädern, wodurch das typisch kraftvolle und unmittelbare Fahrgefühl eines reinen Elektroautos entsteht.
Als bordeigener Generator fungiert ein hocheffizienter 1,5-Liter-Turbobenziner. Sinkt der Ladestand der LFP-Batterie (je nach Modell stehen Kapazitäten von 20,4 oder 34,3 kWh zur Auswahl), springt der Benziner flüsterleise an, um Strom zu erzeugen und die Akkus nachzuladen. Dadurch ermöglicht der V27 eine kombinierte Gesamtreichweite von über 1.000 Kilometern. Ein Steckdosen-Zwang existiert somit nicht, obwohl der Akku natürlich auch extern geladen werden kann. iCAUR nennt dieses Prinzip passenderweise „Ultra EV“.
156 PS Mehrleistung gegenüber dem aktuellen Defender PHEV
Mit diesem Konzept bläst iCAUR zur Jagd auf die europäische Konkurrenz – allen voran auf das britische Original, den Land Rover Defender 110. In der Allradvariante (i-AWD) leistet der V27 stolze 335 kW (456 PS) und mobilisiert ein Drehmoment von 505 Nm. Das reicht aus, um den Koloss in nur 5,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu katapultieren.
Wer hier den Vergleich zum aktuellen Plug-in-Hybrid des Defender zieht, bemerkt schnell den gewaltigen Unterschied:
- Der frühere Land Rover Defender 110 P400e PHEV mit 404 PS wurde in Europa bereits im Mai 2024 eingestellt und ist nicht mehr bestellbar.
- Der aktuell bestellbare Plug-in-Hybrid von Land Rover ist der Defender 110 P300e, dessen Systemleistung bei 221 kW (300 PS) liegt.
- Im direkten Duell der aktuell verfügbaren Modelle sichert sich der iCAUR V27 somit einen gewaltigen Leistungsvorteil von satten 156 PS (456 PS vs. 300 PS)!
Dieser Leistungsüberschuss macht sich besonders abseits befestigter Straßen bezahlt, wo Drehmoment und Kraftreserven über das Vorankommen entscheiden.
Preis-Schocker: Bis zu 30.000 Euro Ersparnis im Visier
Doch nicht nur bei der Leistung, sondern vor allem beim Preis dürfte der iCAUR V27 der etablierten Konkurrenz Kopfzerbrechen bereiten. Während der Einstieg in die Welt des aktuellen Land Rover Defender 110 P300e in Deutschland laut offizieller Preisliste erst bei stolzen 82.200 Euro beginnt, kalkuliert der chinesische Herausforderer in einer ganz anderen Liga.
Zwar stehen die endgültigen Preise für den europäischen Markt bis zum Abschluss der finalen Homologation im Herbst noch nicht auf den Euro genau fest, doch iCAUR hat bereits ein klares Signal gesendet: Der Preisbereich für das SUV wird auf ca. 50.000 bis 100.000 Euro beziffert. Wer sich also für das Einstiegsmodell entscheidet, spart gegenüber dem britischen Basis-Plug-in-Hybrid rund 30.000 Euro. Selbst luxuriösere Ausstattungslinien dürften preislich weit unter dem Niveau vergleichbar ausgestatteter Defender- oder G-Klasse-Modelle liegen.
Echte Geländequalitäten im kantigen Retro-Kleid
Dass der iCAUR V27 mehr sein will als ein reiner Boulevard-Cruiser, beweisen seine technischen Offroad-Spezifikationen. Die martialische Boxy-Optik mit ausgestellten Radhäusern und dem markanten Ersatzrad am Heck verbirgt handfeste Nehmerqualitäten:
- Eine Bodenfreiheit von beachtlichen 224 Millimetern schützt vor unliebsamen Begegnungen mit Hindernissen.
- Eine Wattiefe von bis zu 600 Millimetern macht Flussdurchquerungen problemlos möglich.
- Acht verschiedene Fahrprogramme (darunter Modi für Sand, Schlamm und Schotter) sowie eine spezielle Crawl-Funktion sorgen für maximale Traktion auf jedem Untergrund.
Praktische Details runden das Outdoor-Paket ab: Der Kofferraum schluckt üppige 715 Liter und lässt sich durch Umlegen der Rückbank auf bis zu 1.818 Liter erweitern. Zudem ist der V27 mit 39 Schnittstellen für Zubehör (wie klappbare Leitern oder Dachträger) vorgerüstet und verfügt über eine V2L-Funktion (Vehicle-to-Load), die externen Strom mit bis zu 6 kW liefert – ideal für Camping-Equipment oder Werkzeuge.
Europa-Offensive: Österreich macht den Anfang
Für den Vertrieb in Österreich zeichnet die Colmobil GmbH verantwortlich, die in Schwechat bei Wien ihren Sitz hat. CEO Lars Pauly sieht großes Potenzial für den robusten Newcomer:
„Österreich und iCAUR passen perfekt zusammen: Die Fahrzeuge fühlen sich im Gelände genauso zuhause wie auf der Straße. Die Modelle von iCAUR verbinden hohe Leistung und große Reichweite mit einem nachhaltigen Antriebskonzept.“
Die ersten Einheiten des iCAUR V27 sollen im Herbst 2026 im Alpenland eintreffen, bevor die weitere Expansion nach Deutschland, Tschechien, Spanien und Großbritannien ansteht. Sobald die europäische Typgenehmigung und die offiziellen WLTP-Verbrauchswerte vorliegen, wird sich zeigen, wie hart die Konkurrenz getroffen wird. Fest steht schon jetzt: Mit dem V27 bringt Chery einen echten Preis-Leistungs-Kracher auf den Markt, der das Offroad-Segment gehörig aufmischen könnte.