Der Preiskampf und Technologiewettlauf im Luxussegment erreicht eine neue Stufe. Mit der offiziellen Enthüllung der Serienversion des Genesis GV90 greifen die Koreaner das europäische Premium-Establishment frontal an. Der GV90 ist mit einer Länge von 5,29 Metern, einer Breite von über zwei Metern und einem Radstand von knapp 3,25 Metern eine imposante Erscheinung. Inspiriert von der schlichten Eleganz traditioneller koreanischer Mondkrüge strahlt das Design eine fast monolithische Ruhe aus.
Dass die Marke nicht nur mitspielen, sondern technologisch die Führung übernehmen will, unterstreicht Hyundai-Vorstandsvorsitzender Euisun Chung im Rahmen der Weltpremiere:
"Der GV90 ist nicht einfach ein neues Fahrzeug, sondern eine neue Vision für luxuriöse Mobilität. Er verbindet inspirierendes Design, KI-gestützte Software und Konnektivität mit branchenführender Sicherheit für die Insassen."
Gigantischer Akku und 800-Volt-Power
Herzstück des mächtigen Oberklasse-SUVs ist die neu entwickelte eMP-Plattform (Electric Mobility Prime), die auf der neuen Konzernarchitektur IMA (Integrated Modular Architecture) aufbaut. Sie beherbergt eine gigantische Hochvoltbatterie mit einer Bruttokapazität von 123,5 kWh, wovon 115 kWh netto nutzbar sind. Es ist der größte Akku, den der gesamte Konzern jemals in einem Elektro-Pkw verbaut hat. Trotz des stattlichen Leergewichts von stolzen 3.030 Kilogramm verspricht Genesis dank dieses XXL-Stromspeichers eine alltagstaugliche Reichweite von rund 500 Kilometern.
Spannend für den deutschen Markt: Voll beladen erreicht das SUV ein zulässiges Gesamtgewicht (GVWR) von bis zu 3.665 Kilogramm. Damit stößt der GV90 nicht nur an technische Grenzen, sondern überschreitet auch die magische 3,5-Tonnen-Grenze für den klassischen Pkw-Führerschein der Klasse B. Wer seine Fahrerlaubnis nach 1999 erworben hat, muss also genau hinsehen – wenngleich künftige EU-Führerscheinreformen für schwere Stromer Erleichterungen auf bis zu 4,25 Tonnen in Aussicht stellen.
Für den standesgemäßen Vortrieb sorgen zwei leistungsstarke Elektromotoren. An der Vorderachse leistet die Maschine 240 kW, an der Hinterachse kommen 250 kW hinzu. Zusammen generieren sie eine Systemleistung von bis zu 490 kW (666 PS) und stemmen ein maximales Drehmoment von 800 Nm auf den Asphalt. Damit ist der GV90 das bisher stärkste Elektromodell der Hyundai Motor Group.
Dank modernster 800-Volt-Technologie – bei einer nominalen Batteriespannung von 703 Volt – ist auch der Ladestopp ein kurzes Vergnügen: An einer 350-kW-Schnellladesäule lässt sich der riesige Akku in gerade einmal 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllen. Für maximalen Fahrkomfort und Agilität sorgen zudem:
- Eine adaptive Mehrkammer-Luftfederung, die die Fahrzeughöhe automatisch anpasst.
- Eine aktive Hinterachslenkung für einen überraschend kleinen Wendekreis.
- Ein elektronisch geregeltes Sperrdifferenzial (Dual E-LSD) an beiden Achsen für optimale Traktion in jeder Fahrsituation.
Der GV90 Neolun: Portal-Türen völlig ohne B-Säule
Genesis bietet das Flaggschiff in zwei Varianten an. Während der reguläre GV90 auf klassische Schwenktüren setzt, zieht die besonders spektakuläre Version namens „GV90 Neolun“ alle Blicke auf sich. Sie übernimmt das innovative Türkonzept der 2024 präsentierten Studie Neolun Concept: die sogenannten Portal-Türen (auch „Suicide Doors“ genannt).
Vorder- und Hintertüren öffnen sich hierbei gegenläufig, während eine feste B-Säule komplett entfällt. Das neu entwickelte System namens „Neolun Arch Gate“ erlaubt es zudem, alle vier Türen völlig unabhängig voneinander zu bedienen. Die hinteren Türen gleiten beim Öffnen zunächst ein Stück nach außen und schwenken erst dann nach hinten weg. Dadurch entsteht ein monumentaler, barrierefreier Einstieg in den Fond.
Um trotz der fehlenden B-Säule maximale Sicherheit bei einem Seitencrash oder Überschlag zu gewährleisten, verwendet Genesis einen neu entwickelten, hochfesten Aluminiumrahmen zur Erhöhung der Karosseriesteifigkeit. Die Struktur ist darauf ausgelegt, Aufprallenergie besonders effizient zu absorbieren. Zudem schützt eine Phalanx von insgesamt zwölf Airbags die Passagiere, darunter der weltweit erste „Roof Airbag“, der sich im Ernstfall schützend über die große Glasfläche des Panorama-Dachs entfaltet.
Wellness-Lounge mit beheiztem Echtholzboden
Wer den Innenraum des GV90 Neolun betritt, wähnt sich eher in einer edlen First-Class-Lounge als in einem Auto. In der luxuriösen Viersitzer-Konfiguration namens „Executive Suite“ dreht sich alles um das Wohlbefinden der hinteren Passagiere. Die vorderen Sessel lassen sich im geparkten Zustand um 180 Grad drehen, sodass sich die Insassen wie in einem Wohnzimmer gegenübersitzen können.
Zu den ungewöhnlichen Luxus-Features gehören:
- Ein echter Echtholzboden im Fond, der mit einer unsichtbaren Fußbodenheizung gekoppelt ist. Inspiriert wurde dieses Wellness-Detail vom traditionellen koreanischen Heizsystem „Ondol“.
- Ein integrierter Kühlschrank und ausklappbare Tische für die Passagiere in der zweiten Reihe.
- Eine feste Trennwand (Comfort Partition) zum Gepäckraum, die störende Geräusche von hinten eliminiert und für absolute Ruhe sorgt.
- Ein im Fahrbetrieb 23,6 Zoll großes OLED-Cinematic-Display, das sich im Stand um 90 Millimeter anheben lässt.
Gesteuert wird das Infotainment über das neue, auf Android Automotive basierende Betriebssystem „Pleos Connect“. Für den passenden Sound sorgt das Bang & Olufsen Premier 3D-Audiosystem mit 25 Lautsprechern.
Marktstart und Preisschätzung für Deutschland
In Südkorea, dem Heimatmarkt der Marke, wird der Verkauf des neuen Flaggschiffs noch Ende 2026 starten. Deutsche Kunden müssen sich noch etwas gedulden: Nach Europa und Deutschland soll der Genesis GV90 in der ersten Jahreshälfte 2027 rollen.
Offizielle Preise für den europäischen Markt stehen noch aus. Da jedoch in den USA mit einem Einstiegspreis von rund 100.000 US-Dollar gerechnet wird, dürften für europäische Kunden inklusive Einfuhrzöllen und der deutschen Mehrwertsteuer Kosten von mindestens 110.000 bis 125.000 Euro anfallen. Damit rückt das Luxus-SUV zwar mühelos in sechsstellige Regionen vor, bleibt im Vergleich zu den oft deutlich teureren Premium-Konkurrenten aus Stuttgart und München jedoch eine hochattraktive, weil bereits üppig ausgestattete Alternative.