Wer auf der Suche nach einem geräumigen und alltagstauglichen Elektro-SUV für die ganze Familie ist, muss nicht mehr zwangsläufig auf kostspielige Neuwagen ausweichen. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sorgt derzeit ein edler Stuttgarter für eine echte Preis-Sensation: Der beliebte Mercedes EQB, der neu einst über 52.000 Euro kostete, ist mittlerweile für unter 25.000 Euro zu haben. Doch lohnt sich der Einstieg in die elektrische Premium-Klasse zu diesem Kampfpreis, oder lauern hier teure Risiken für Gebrauchtwagenkäufer?

Der Wertverlust bei Elektroautos der ersten Generationen trifft Erstbesitzer hart, eröffnet für Gebrauchtwagenkäufer jedoch völlig neue Möglichkeiten. Der kompakte Elektro-SUV, der seit Anfang 2022 auf den deutschen Straßen rollt, ist das beste Beispiel dafür. Auf den gängigen Online-Portalen finden sich fahrbereite, gut gepflegte Exemplare mit überschaubarer Laufleistung inzwischen vermehrt für unter 25.000 Euro. Damit hat sich der Preis im Vergleich zum ehemaligen Neupreis von über 52.000 Euro mehr als halbiert. Für Familien, die nach einem alltagstauglichen Stromer suchen, wird der kompakte Stern damit plötzlich zu einer echten Budget-Alternative.

Ein Raumwunder auf Verbrenner-Basis

Die große Stärke des Kompakt-SUV liegt in seinem Karosseriekonzept, das fast eins zu eins vom kantigen Verbrenner-Bruder übernommen wurde. Mit einer Länge von 4,68 Metern und einer aufrechten Silhouette bietet er eine hervorragende Raumausnutzung und eine SUV-typisch hohe Sitzposition.

  • Flexibler Innenraum: Die Rücksitzbank lässt sich serienmäßig in der Länge verschieben, was je nach Bedarf für gigantische Beinfreiheit im Fond oder ein größeres Ladevolumen sorgt.
  • Kofferraumvolumen: Im klassischen Fünfsitzer schluckt das Gepäckabteil großzügige 495 bis zu 1.710 Liter bei umgeklappter Rückbank.
  • Siebensitzer-Option: Selten im Segment der Elektro-Kompakten ist die optionale dritte Sitzreihe. Damit wird das Modell zum Siebensitzer, wobei die hinteren Plätze laut Hersteller für Personen bis zu einer Größe von 1,65 Metern ausgelegt und somit ideal als Kindertaxi geeignet sind.

Antrieb und Reichweite: Was leistet der E-SUV?

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt dominiert vor allem das Basismodell mit Vorderradantrieb. Angetrieben wird es von einem Elektromotor an der Vorderachse mit einer Leistung von 140 kW (190 PS) und einem Drehmoment von bis zu 385 Nm. Das reicht für einen alltagstauglichen Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,9 Sekunden und eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

Die Energie liefert eine Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 66,5 kWh. Während die offizielle WLTP-Reichweite bei bis zu 474 Kilometern liegt, sieht die Realität im Alltag anders aus. Im gemischten Betrieb pendelt sich die Reichweite eher zwischen 250 und 300 Kilometern ein. Auf der Autobahn oder bei eisigen Wintertemperaturen schrumpft der Aktionsradius schnell auf rund 200 Kilometer.

Zudem ist das Laden auf Langstrecken keine Rekorddisziplin: An Gleichstrom-Schnellladesäulen (DC) lädt das Fahrzeug mit maximal 100 kW. Das Befüllen des Akkus von 10 auf 80 Prozent dauert rund 32 Minuten. Wer viel auf der Langstrecke unterwegs ist, muss hier im Vergleich zu moderneren 800-Volt-Plattformen etwas mehr Geduld mitbringen.

Typische Schwachstellen: Worauf Käufer achten müssen

Obwohl das Modell auf einer bewährten Plattform steht, schlägt es sich in der Praxis wacker. Dennoch sollten Kaufinteressenten einige spezifische Schwachstellen auf dem Zettel haben.

Gebrauchtwagen-Analysen zeigen, dass das hohe Gewicht von rund 2,1 Tonnen die Fahrwerkskomponenten stark beansprucht. Ein genaues Ohr bei der Probefahrt auf Poltergeräusche an den Achsen ist daher Pflicht. Zudem neigt die Elektronik, insbesondere das Infotainmentsystem mit Doppel-Display, gelegentlich zu Software-Hängern oder Abstürzen. Ein Update beim Vertragshändler schafft hier meist Abhilfe.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Familien: Wer einen Anhänger ziehen möchte, muss genau hinschauen. Frühe Exemplare des Basismodells wurden ab Werk oft ohne Anhängelast zugelassen. Erst spätere Varianten oder die Allradversionen bieten eine nennenswerte Zuglast von bis zu 1.400 Kilogramm.

Vor dem Kauf ist zudem ein professioneller Test des Batteriezustands (State of Health, kurz SoH) dringend ratsam. Die Werksgarantie auf die Batterie läuft zwar über acht Jahre oder bis zu 160.000 Kilometer, doch Gewissheit über den Zustand des teuersten Bauteils beruhigt das Gewissen ungemein.

Fazit: Lohnt sich der gebrauchte Premium-Stromer?

"Der gebrauchte Elektro-SUV beweist, dass praktische Familien-Elektromobilität im Premium-Segment kein Vermögen mehr kosten muss."

Für unter 25.000 Euro bietet das Modell ein erstklassiges Paket aus hohem Komfort, enormer Variabilität und solider Qualität. Wer mit der durchschnittlichen Ladeleistung von 100 kW und einer realen Autobahnreichweite von rund 200 bis 250 Kilometern leben kann, findet hier den perfekten Alltagsbegleiter für die Familie. Es ist kein futuristisches Experiment, sondern ein durchdachtes, bodenständiges Raumwunder mit Premium-Flair.