Der Markt für kompakte SUVs ist hart umkämpft, doch BYD bringt mit dem Atto 2 DM-i (Dual Mode - intelligent) ein Konzept, das eine echte Lücke füllen könnte. Während viele europäische Marken in diesem Segment entweder auf reine Elektroautos oder herkömmliche Verbrenner setzen, kombiniert BYD hier die Vorteile beider Welten: hocheffiziente Hybridtechnik, reichlich Ausstattung und einen Preis, der aufhorchen lässt.
Sensationeller Realverbrauch: Wie schlägt sich der Hybrid im Alltag?
In einem ausführlichen Verbrauchstest über die 360 Kilometer lange Strecke von Rom nach Forlì musste der BYD Atto 2 DM-i in der Topversion „Boost“ zeigen, was er kann. Das Ergebnis ist ein echtes Ausrufezeichen: Über die gesamte Testdistanz konsumierte das Kompakt-SUV im Schnitt lediglich 4,15 Liter Benzin auf 100 Kilometer.
Möglich macht diesen hervorragenden Wert die clevere Aufteilung der Energieflüsse:
- Mit voll geladener Batterie legte das Fahrzeug beim Verlassen der Stadt stolze 96 Kilometer rein elektrisch zurück, bevor sich der Verbrenner unmerklich zuschaltete.
- Der offizielle WLTP-Wert für rein elektrisches Fahren liegt beim Boost bei 90 Kilometern; in Praxistests wurden im Extra-Urban-Modus Werte nahe diesem Bereich gemessen.
- Im gewichteten kombinierten WLTP-Zyklus erreicht der Boost-Antrieb einen Kraftstoffverbrauch von 1,8 Litern pro 100 Kilometer; im reinen Verbrennungsbetrieb bei entladener Batterie (CS-Modus) liegt der offizielle WLTP-Wert bei 5,1 l/100 km.
Wer die 18-kWh-Batterie regelmäßig lädt, kann mit einer kombinierten Gesamtreichweite von bis zu 1.000 Kilometern planen. Auf der Autobahn klettert der Durst bei leerer Batterie zwar auf rund 5,4 bis 5,9 Liter an, doch auch das bleibt für ein SUV dieser Leistungsklasse ein absolut solider Wert.
Die DM-i-Technologie: Die schlaue Technik hinter dem Sparwunder
Warum ist der BYD so sparsam? Das Geheimnis liegt in der Auslegung des Antriebs. Im Gegensatz zu klassischen Plug-in-Hybriden europäischer Bauart, bei denen der Verbrennungsmotor dominiert, setzt BYD auf ein elektrisch dominiertes System.
Der 1,5-Liter-Benziner arbeitet die meiste Zeit im Hintergrund in seinem optimalen Wirkungsbereich als Generator, um Strom für den starken Elektromotor zu erzeugen oder die Batterie zu laden. Erst bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn wird der Benziner direkt an die Räder gekoppelt. Das Ergebnis ist ein Fahrgefühl, das dem eines reinen Elektroautos extrem nahekommt – leise, direkt und kraftvoll. Mit einer Systemleistung von 212 PS (156 kW) sprintet das Topmodell „Boost“ mühelos voran.
Ein erfahrener Testredakteur fasst den Eindruck treffend zusammen:
"Das Super-Hybrid-System von BYD ermöglicht so flüssige Übergänge, dass man meistens vergisst, überhaupt einen Verbrennungsmotor an Bord zu haben. Das Auto fährt sich im Alltag schlicht wie ein Stromer."
Preis-Offensive: Der Frontalangriff auf den T-Roc
Der sensationelle Realverbrauch ist jedoch nur die halbe Miete. Der eigentliche Hammer wartet beim Blick in die Preisliste, die wie ein direkter Angriff auf den deutschen Bestseller VW T-Roc wirkt.
Für einen vergleichbar großen VW T-Roc in der beliebten mittleren Ausstattungslinie „Life“ mit einem 150 PS starken 1.5-eTSI-Mildhybrid verlangt Volkswagen derzeit rund 36.755 Euro. Für viele Extras muss hier noch tief in die Tasche gegriffen werden.
BYD geht einen ganz anderen Weg:
- Die offizielle unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für den 212 PS starken Atto 2 DM-i Boost liegt bei 38.990 Euro.
- Doch durch eine massive Rabattaktion auf dem deutschen Markt schrumpft dieser Preis drastisch: Zieht man den großzügigen E-Bonus von BYD in Höhe von 11.500 Euro ab, liegt der Barpreis bei nur noch 27.490 Euro.
- Wer zusätzlich die Kriterien für die staatliche E-Auto-Förderung der neuen Förderphase erfüllt, kann weitere 4.500 Euro Prämie für Plug-in-Hybride beantragen, wodurch sich der Anschaffungspreis im Idealfall auf sensationelle 22.990 Euro reduziert.
Für diesen Bruchteil des T-Roc-Preises liefert BYD eine Serienausstattung, von der man in Wolfsburg nur träumen kann: Ein riesiges Panorama-Glasdach, eine 360-Grad-Kamera, beheizbare und elektrisch verstellbare Sitze aus veganem Leder, ein beheizbares Lenkrad sowie das fest verbaute 12,8-Zoll-Infotainment-Touchdisplay. BYD hat bei diesem Modell bewusst auf die markentypische Drehfunktion verzichtet, um Apple CarPlay und Android Auto in jeder Fahrsituation lückenlos und stabil zu unterstützen. Zudem gewährt BYD eine Fahrzeuggarantie von 6 Jahren (8 Jahre auf die Batterie), die beim Wiederverkauf sogar übertragbar ist.
Licht und Schatten: Wo der Atto 2 DM-i Federn lassen muss
Trotz der beeindruckenden Effizienz und des Kampfpreises ist der chinesische Hybrid nicht perfekt. Wer sich für den Atto 2 DM-i entscheidet, muss mit einigen Kompromissen leben.
Der größte Kritikpunkt im Alltag ist das Ladesystem. Dem Plug-in-Hybrid fehlt eine DC-Schnelllademöglichkeit. Geladen wird ausschließlich über Wechselstrom (AC) mit maximal 6,6 kW an einer Wallbox oder öffentlichen Ladesäule. Wer also unterwegs schnell Strom nachladen möchte, muss Geduld mitbringen. Zudem neigt das Fahrwerk bei sportlicher Fahrweise zu spürbarer Seitenneigung, und das Infotainment-Menü erfordert wegen seiner verschachtelten Struktur etwas Eingewöhnungszeit.
Dennoch zeigt der Praxistest deutlich: Für Fahrer, die zu Hause oder am Arbeitsplatz laden können und viel auf Landstraßen pendeln, ist der BYD Atto 2 DM-i ein genialer Sparmeister. Er beweist eindrucksvoll, dass hocheffiziente Hybridtechnik heute nicht mehr die Welt kosten muss – ein Weckruf, den man in Wolfsburg, Paris und München sehr laut hören dürfte.
Technische Daten und Verbrauchswerte (WLTP)
Hier sind die offiziellen Verbrauchs- und Emissionswerte für den BYD Atto 2 DM-i Boost (156 kW / 212 PS, 18-kWh-Batterie):
- Energieverbrauch (gewichtet, kombiniert): 11,2 kWh/100 km plus 1,8 l/100 km
- Kraftstoffverbrauch bei entladener Batterie (kombiniert): 5,1 l/100 km
- Stromverbrauch im rein elektrischen Betrieb (kombiniert): 17,9 kWh/100 km
- Elektrische Reichweite (EAER): 90 km
- CO₂-Emissionen (gewichtet, kombiniert): 41 g/km
- CO₂-Klasse (gewichtet, kombiniert): B (bei entladener Batterie: C)