Wer sich die glänzenden Hochglanzprospekte der bayerischen Premiummarke ansieht, kommt schnell ins Schwärmen. Doch im realen Auto-Alltag relativieren sich manche Werbeversprechen.

Hier sind die fünf wichtigsten Punkte, über die BMW bei der Präsentation des neuen i3 lieber den Mantel des Schweigens hüllt:

1. Die WLTP-Lücke: Was passiert bei -10 Grad im Winter?

BMW feiert den neuen i3 als echten Langstrecken-König. Dank der hocheffizienten Rundzellen im rund 109 kWh großen Akku soll das Modell 50 xDrive im WLTP-Laborzyklus stolze 912 Kilometer weit kommen. Diese Fabelwerte werden jedoch bei milden 23 Grad auf dem Prüfstand ermittelt. Wer sich für die sportliche First Edition entscheidet, muss wegen der größeren Räder und breiteren Reifen schon auf dem Papier mit einem Rückgang der WLTP-Reichweite auf 758 Kilometer rechnen.

Im realen deutschen Winter sieht die Welt nochmals anders aus. Bei einer Außentemperatur von -10 Grad steigt der Verbrauch der Allrad-Limousine durch Kabinenheizung, Batterietemperierung und erhöhten Rollwiderstand sprunghaft an. Aus der versprochenen Spitzenreichweite werden auf der Autobahn schnell reale 450 bis 480 Kilometer. Das ist zwar immer noch ein exzellenter Wert für ein Elektroauto, bedeutet aber eine drastische Verkürzung gegenüber dem theoretischen Maximum.

2. Kofferraum-Rückschritt: Weniger Platz als im alten Verbrenner

Eigentlich verspricht eine reine Elektro-Plattform deutliche Raumvorteile durch den Wegfall von Getriebetunnel und Verbrennungsmotor. Der neue i3 wächst in der Länge auf stolze 4,76 Meter – das sind fünf Zentimeter mehr als bei der aktuellen 3er-Limousine. Auch der Radstand legt auf großzügige 2,90 Meter zu, was vor allem den Knien der Fond-Passagiere zugutekommt.

Beim Gepäckabteil folgt jedoch eine kleine Ernüchterung: Der Kofferraum fasst limousinentypisch lediglich 420 Liter. Zum Vergleich: Eine klassische 3er-Limousine mit Benzin- oder Dieselmotor schluckt 480 Liter. Immerhin gibt es unter der Fronthaube einen 31 Liter großen Frunk, in dem das Ladekabel Platz findet. Wer mit der Familie verreisen möchte, muss also entweder sehr kompakt packen oder auf den für 2027 angekündigten i3 Touring (Kombi) warten.

3. Die 400-kW-Ladeleistung: Ein Peak für die Galerie

Die neue 800-Volt-Architektur des i3 ermöglicht eine maximale Ladeleistung von spektakulären 400 Kilowatt. BMW wirbt damit, dass an einer entsprechenden Ladesäule in nur zehn Minuten genügend Energie für bis zu 423 Kilometer zusätzliche Reichweite nachgeladen werden kann. Was die Marketing-Abteilung gern in den Vordergrund stellt, ist im Alltag jedoch ein Extremwert.

Dieser Spitzenwert von 400 kW ist ein Peak, der nur in einem extrem schmalen Temperatur- und Ladestandsfenster anliegt. Um die Batteriezellen vor Überhitzung und vorzeitigem Verschleiß zu schützen, regelt die Ladesoftware die Leistung danach kontinuierlich ab. Für die gesamte Ladung von 10 auf 80 Prozent vergehen am Ende rund 21 Minuten – ein hervorragender Wert, der aber zeigt, dass die 400 kW im Alltag ein kurzzeitiges Highlight bleiben.

4. Bestell-Taktik: Wer sparen will, muss lange warten

Der Einstiegspreis von 65.900 Euro für den i3 50 xDrive klingt im Premium-Segment fair. Doch es gibt einen Haken beim offiziellen Verkaufsstart: Wer das Auto selbst konfigurieren und zum Basispreis erwerben möchte, kann dies erst ab Ende September 2026 tun.

Wer dagegen zu den ersten Besitzern gehören will, wenn die Auslieferungen im Herbst 2026 starten, muss zur „First Edition“ greifen. Diese hat BMW bereits im Juni 2026 freigeschaltet – allerdings zu einem Preis von 75.340 Euro. Für den früheren Liefertermin müssen Kunden quasi zum Kauf teurer Sonderausstattungen wie dem M Sportpaket und einem Head-up-Display greifen, die den Preis um fast 10.000 Euro in die Höhe treiben. Sparfüchse werden in der Warteschlange nach hinten durchgereicht und erhalten ihr Auto wohl erst 2027.

5. Das Abo-Niveau: Flexibilität wird zum Luxusgut

Viele Autofahrer setzen heute auf flexible Auto-Abos, um das finanzielle Risiko eines E-Auto-Kaufs zu umgehen. Doch der neue i3 wird auf den Abo-Plattformen kein Schnäppchen. Schon der technisch eng verwandte SUV-Bruder BMW iX3 schlägt bei Anbietern wie FINN ab rund 800 bis knapp 1.000 Euro im Monat zu Buche – je nach gewählter Laufzeit und Freikilometern.

Da beim i3 zunächst ausschließlich die hochpreisige „First Edition“ für 75.340 Euro ausgeliefert wird, dürften die ersten Abo-Raten für die Limousine noch ein Stück darüber liegen. Branchenbeobachter rechnen mit monatlichen Einstiegskonditionen von rund 950 bis 1.100 Euro. Wer gehofft hat, den elektrischen 3er als preisgünstige Alternative zu abonnieren, muss sich auf stolze Premium-Raten einstellen.

Jochen Goller, Mitglied des Vorstands der BMW AG für Kunde, Marken und Vertrieb, betonte zum Bestellstart die Relevanz des neuen Modells:

"Der neue BMW i3 ist für uns ein wegweisendes Fahrzeug – als vollelektrisches Modell tritt er in einem volumenstarken Segment an und ist damit von großer Bedeutung für die BMW Group."

Trotz dieser wegweisenden Rolle und der unbestrittenen technologischen Highlights sollten künftige Käufer genau prüfen, ob die Limousine ihren Alltagsanforderungen gerecht wird – oder ob sich das Warten auf den praktischeren Touring im Jahr 2027 lohnt.