Der Bentley Torcal ist nicht irgendein neues Elektroauto, sondern der erste reine Stromer in der ruhmreichen Geschichte der britischen Traditionsmarke. Er erweitert das Portfolio neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga als vierte eigenständige Modellreihe. Technisch nutzt das rund fünf Meter lange SUV die hochentwickelte Premium Platform Electric (PPE) des Volkswagen-Konzerns, auf der auch der kommende Porsche Cayenne Electric steht.
Obwohl sich der Torcal wichtige Gene mit Zuffenhausen teilt, verspricht Bentley eine völlig eigenständige Abstimmung. Und die Leistungsdaten lesen sich atemberaubend: Aus zwei Elektromotoren schöpft das Allrad-SUV brachiale 653 kW (888 PS) und ein maximales Drehmoment von gigantischen 1.350 Newtonmetern. Trotz eines stattlichen Leergewichts von rund 2,7 Tonnen sprintet der Nobel-Stromer im Launch-Mode in unter drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.
Doch pure Beschleunigung ist für Bentley-Chef Frank-Steffen Walliser nicht alles. Mit Blick auf die Abstimmung stellt er klar:
"Ob ein Auto in 2,5, 2,4 oder 1,9 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt, ist für unsere Kunden nicht relevant. Und ein Auto wird mit 1.000 PS nicht automatisch besser."
Vielmehr gehe es um die Souveränität und den beispiellosen Komfort, den der Torcal auf die Straße bringt. Dafür sorgt unter anderem ein hochentwickeltes Fahrwerk mit Zweikammer-Luftfedern und Zweiventildämpfern, die Zug- und Druckstufe getrennt voneinander regeln können.
Ein Akku der Superlative: 400 kW Ladeleistung und rund 600 Kilometer Reichweite
Das eigentliche Prunkstück des neuen Luxus-Liners liegt tief im Fahrzeugboden verborgen: ein massiver Akku mit einer Bruttokapazität von 113 kWh auf Basis moderner Pouchzellen-Technologie. Diese enorme Energiequelle verhilft dem Luxus-SUV zu einer beachtlichen Ausdauer: Bentley nennt als Zielwert eine WLTP-Reichweite von rund 600 Kilometern.
Und wenn die Batterie doch einmal leer gefegt ist, setzt der Bentley Torcal neue Maßstäbe beim Laden:
- Dank modernster 800-Volt-Technologie zieht das SUV Strom mit einer maximalen Ladeleistung von bis zu 400 kW.
- Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent Kapazität dauert dadurch weniger als 20 Minuten.
- Damit lässt der britische Stromer selbst etablierte Konkurrenten an der Autobahn-Ladesäule alt aussehen.
Luxus neu gedacht: Merinowolle und Erfrischung auf Knopfdruck
Auch im Innenraum zeigt sich, dass der Torcal ein echter Meilenstein für die Marke ist. Bentley geht bei den Materialien völlig neue, nachhaltigere Wege, ohne den gewohnten Luxus zu vernachlässigen. So wurde gemeinsam mit dem renommierten britischen Textilspezialisten Fox Brothers ein extrem widerstandsfähiger Stoff aus hochwertiger Merinowolle entwickelt.
Zusätzlich sorgt ein sogenanntes „Ombré Veneer“ für Aufsehen – ein Furnier, das aus bis zu 1.000 Schichten aus Walnussresten und recyceltem Papier gepresst wird. Abgerundet wird das edle Interieur durch eine markante Aluminiumoberfläche, die optisch an historische Bentley-Armaturen erinnert. Wer es traditionell mag, erhält aber natürlich weiterhin klassischen Lack, Leder und Echtholz.
Das Fahrerlebnis lässt sich über die innovative „Bentley Curation Engine“ anpassen, die Licht, Sound, Klima, Luftqualität und die Fahrdynamik harmonisiert. Hierfür stehen verschiedene Modi wie Bentley, Comfort, Sport und Refresh zur Auswahl. Aktiviert der Fahrer den Refresh-Modus, erhöht das System gezielt die Frischluftzufuhr, passt die Klimatisierung an und erhellt den Innenraum, um Müdigkeit auf längeren Fahrten aktiv entgegenzuwirken. Selbst der Sound an Bord wurde aufwendig inszeniert: Die künstlich erzeugten Fahrgeräusche orientieren sich akustisch an den legendären V8-Motoren der Marke.
Markteinführung und Preisprognose
Lange müssen sich solvente Interessenten nicht mehr gedulden. Die offizielle Weltpremiere des Bentley Torcal findet bereits am 23. September 2026 in London statt. Kurz darauf dürften die Bestellbücher geöffnet werden. Die ersten Auslieferungen an die Kundschaft werden zum Jahreswechsel 2026/2027 erwartet.
Ganz billig wird das Vergnügen, den ersten vollelektrischen Luxus-Liner aus Crewe zu fahren, allerdings nicht: Branchenexperten und erste Berichte rechnen mit einem Einstiegspreis von rund 200.000 Euro, womit sich das Modell preislich auf dem Niveau des etablierten Bentayga einreiht. Doch für diesen Preis erhalten Käufer nicht nur ein lautloses Statussymbol, sondern auch das technisch fortschrittlichste Fahrzeug, das die Hallen im englischen Crewe je verlassen hat.