Wir haben die fünf emotionalsten und bedeutendsten Abschiede zusammengetragen, die Autoliebhaber in diesem Jahr verkraften müssen.

Porsche Macan: Der Millionen-Bestseller geht auf dem Höhepunkt

Der Porsche Macan der ersten Generation (Typ 95B) war seit seinem Marktstart im Jahr 2014 eine absolute Erfolgsgeschichte für die Marke aus Zuffenhausen. Mehr als eine Million Mal rollte das sportliche Kompakt-SUV im Werk Leipzig vom Band – im Sommer 2025 feierte die Belegschaft dort stolz das einmillionste Jubiläumsfahrzeug. Doch im Sommer 2026 ist mit der Produktion der beliebten Verbrenner-Varianten nun endgültig Schluss.

In der Europäischen Union war das Schicksal des Verbrenners aufgrund der neuen Cybersecurity-Richtlinie (UNECE WP.29) bereits 2024 besiegelt. Für außereuropäische Märkte wie die USA oder Asien baute Porsche den Benziner jedoch munter weiter – und das mit anhaltendem Erfolg. Dass die radikale Entscheidung, den Macan-Nachfolger rein elektrisch zu konzipieren, intern für heftige Diskussionen sorgte, ist kein Geheimnis. VW-Konzernchef und Ex-Porsche-Chef Oliver Blume zeigte sich rückblickend in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) selbstkritisch:

"Beim Macan haben wir falsch gelegen."

Zwar steht der neue, vollelektrische Macan bereits bei den Händlern, doch für viele Puristen verliert die Marke mit dem endgültigen Aus des Ur-Verbrenners eines der fahrdynamisch ausgewogensten SUVs aller Zeiten. Als Reaktion plant Porsche bereits einen neuen Verbrenner-Nachfolger unterhalb des Cayenne für das Jahr 2028, der allerdings einen neuen Namen tragen wird.

Mercedes-Maybach V12: Der leise Abschied vom König der Motoren

Unter den Luxuslimousinen galt der Zwölfzylinder stets als die absolute Krönung des Automobilbaus – ein seidenweiches Monument deutscher Ingenieurskunst. Doch mit der umfassenden Modellpflege der Mercedes-Maybach S-Klasse (Z223), die im Frühjahr 2026 auf den Markt rollte, müssen anspruchsvolle Kunden in Europa Abschied nehmen. Der prestigeträchtige 6,0-Liter-V12-Biturbo (M 279) fliegt für europäische Käufer aus dem regulären Programm.

Die Hürden der strengen Euro-7-Abgasnorm machten eine erneute Anpassung des monumentalen Triebwerks schlicht unwirtschaftlich. Wer künftig das europäische Topmodell Mercedes-Maybach S 680 bestellt, muss sich mit einem hochgerüsteten 4,0-Liter-V8-Biturbo (M 177 Evo) mit Mildhybrid-Technologie begnügen. Dieser leistet zwar identische 612 PS, verzichtet aber auf die unvergleichliche Laufruhe des Zwölfzylinders. Einziger Trost für europäische V12-Enthusiasten: Wer die gepanzerte Sonderschutz-Variante "Guard" ordert, bekommt weiterhin den echten Zwölfer. Für alle anderen bleibt der V12 ein exklusives Privileg für Märkte außerhalb der EU, wie China oder den Nahen Osten.

VW Touran: Das lautlose Ende des Familien-Heiligtums

Es gab eine Zeit, da war der Volkswagen Touran das ultimative Statussymbol deutscher Familien. Praktisch, quadratisch, unaufgeregt. Doch am 29. April 2026 lief im Stammwerk Wolfsburg still und heimlich der allerletzte Touran vom Band. Nach rund 23 Jahren Bauzeit und über 2,3 Millionen produzierten Fahrzeugen stellt VW das traditionsreiche Kompaktvan-Segment endgültig ein.

Auch hier ist es die europäische Gesetzgebung, die dem Klassiker den Stecker zieht. Seit Juli 2026 gilt die neue Sicherheitsrichtlinie "General Safety Regulation II" (GSR II, Stufe C), die weitreichende Assistenzsysteme vorschreibt. Der Touran, dessen zweite Generation bereits seit 2015 auf dem Markt war, hätte für die neuen Anforderungen tiefgreifend modernisiert werden müssen. Eine Anpassung der veralteten Plattform wäre für Volkswagen schlicht zu teuer geworden.

Einen direkten Nachfolger mit Verbrennungsmotor gibt es nicht. Wer viel Platz sucht, wird von den Wolfsburgern auf SUVs wie den neuen Tayron oder den vollelektrischen ID. Buzz verwiesen. Für Familien, die ein bezahlbares und cleveres Raumwunder ohne klobige SUV-Optik suchten, hinterlässt das Ende des Touran eine schmerzhafte Lücke.

BMW M3: Das legendäre Kürzel vor dem Elektro-Umbruch

Der BMW M3 ist der Inbegriff des bayerischen Performance-Wagens. Doch das legendäre Kürzel steht vor dem größten Umbruch seiner Geschichte. Die M-GmbH bereitet sich intensiv auf das Elektrozeitalter vor, was zu einem faszinierenden Bruderkampf im eigenen Haus führen wird.

Der Übergang wird radikal:

  • Bereits für 2027 ist der erste vollelektrische M3 auf Basis der revolutionären "Neue Klasse"-Plattform (interner Code ZA0) angekündigt.
  • M-Chef Frank van Meel bestätigte bereits, dass der Stromer schlicht "BMW M3" heißen wird – ohne künstliche E-Zusätze wie "i".
  • Ein neuer Verbrenner-M3 mit Reihensechszylinder soll zwar voraussichtlich ab 2028 parallel weiterleben, doch die Zeiten der reinen, unberührten Verbrenner-Ära neigen sich dem Ende zu, da die M-GmbH bis Ende des Jahrzehnts den Großteil ihres Absatzes elektrifizieren will.

Für M3-Fans ist dies ein emotionaler Einschnitt. Auch wenn die M-GmbH verspricht, dass der Elektro-M3 in Sachen Fahrdynamik neue Maßstäbe setzen wird, markiert das Jahr 2026 das Ende der unbeschwerten, rein analogen Performance-Ära der aktuellen G80-Generation.

Dodge Hemi V8: Letztes Aufbäumen gegen den Untergang

Nirgendwo tut der Abschied von einem Verbrenner so weh wie bei den Fans amerikanischer Muscle-Cars. Der donnernde Hemi-V8-Sauger von Dodge steht sinnbildlich für ein automobiles Lebensgefühl, das im Zuge der weltweiten CO2-Reduzierung massiv unter Druck geraten ist. Nachdem Dodge die Produktion der legendären V8-Modelle von Challenger und Charger Ende 2023 beendete, schien das Schicksal des Achtzylinders besiegelt.

Doch es gibt überraschende Wendungen in diesem V8-Drama:

  • Zum Abschied legte Dodge für das große SUV Durango exklusive Sondermodelle auf – wie den brachialen Durango SRT Hellcat "Brass Monkey" mit 710 hp (rund 720 PS) aus einem kompressorgeladenen 6,2-Liter-V8. Aufgrund der gigantischen Kundennachfrage verlängerte Dodge die V8-Durango-Produktion sogar bis ins Kalenderjahr 2025 hinein.
  • Beim Schwestermodell RAM 1500 feierte der 5,7-Liter-Hemi-V8 im Modelljahr 2026 sogar ein überraschendes Comeback als Mildhybrid – samt speziellem "Symbol of Protest"-Emblem auf der Karosserie.

Trotz dieser kleinen V8-Guerilla-Aktionen ist der Trend unumkehrbar: Der neue Dodge Charger kommt 2026 auch nach Europa – allerdings wahlweise als vollelektrischer "Daytona" oder als "Sixpack" mit dem neuen 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Biturbo.

Warum dieser Abschied wehtut

Der Blick auf die Liste der Auslaufmodelle und transformierten Ikonen zeigt: Es sind keineswegs nur erfolglose Ladenhüter, die vom Markt gefegt werden. Es trifft automobile Institutionen, die über Jahrzehnte das Straßenbild und die Träume von Autofahrern geprägt haben.

Für Autoliebhaber und Pragmatiker gleichermaßen bedeutet dies eine schmerzhafte Umgewöhnung. Ob man nun dem majestätischen Gleiten eines Maybach V12, dem unvernünftigen Brüllen eines Hemi-V8 oder der schlichten Genialität eines VW Touran hinterherweint: Sie alle werden im alltäglichen Straßenbild immer seltener. Was bleibt, ist der Blick auf den Gebrauchtwagenmarkt – denn dort werden diese Dinosaurier einer vergangenen Epoche schon jetzt zu gesuchten Klassikern.